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Die deutschen Champions-League-Teams im Check

Jupp Heynckes ist bekanntlich nicht mehr Trainer beim FC Bayern, doch das Losglück, das der 73-Jährige den Münchnern nach seiner Rückkehr ins Amt vor einem Jahr bescherte, hält augenscheinlich auch unter Nachfolger Niko Kovac an. Benfica, Ajax und AEK Athen wären, bei allem Respekt, machbare Gegner in der Europa League gewesen. In der Champions League aber hätte es für den deutschen Meister kaum einfacher werden können. Anstelle der gefürchteten “Todesgruppe” treten Teams, die Königsklassen-Debütant-Kovac einen durchaus angenehmen Einstieg ins internationale Geschäft bescheren.

Die einzig negative Konsequenz dieser leichten Ansetzung ist, dass sie kaum Aufschluss auf die Leistungsstärke des mit alternden Veteranen und einigen Nachwuchsstars besetzten Kaders  geben kann, bevor es im Frühjahr gegen vermutlich weitaus größere Kaliber in die K.o.-Runden geht. Ob und wie Kovac es schafft, den Umbruch so zu gestalten, dass eine im Vergleich mit den ausländischen Spitzenmannschaften schlagkräftige Mannschaft entsteht, wird sich erst zeigen, wenn der Verein nicht mehr in der Lage ist, Veränderungen vorzunehmen.

 

Emotionslosigkeit und Leidenschaft

Das freilich ist ein Problem, das Borussia Dortmund nur allzu gerne hätte. Lucien Favres Männer bekommen es  – neben dem deutlich abfallenden Club Brugge aus Belgien – mit zwei auf unterschiedliche Weisen sehr unangenehmen Teams zu tun. Atletico Madrid, denen das Heimrecht im Finalstadion Wanda Metropolitano winkt, sind eine defensiv- und konterstärksten Mannschaften Europas; jeder Fehler wird von Diego Simeones leidenschaftlich verteidigenden Truppe sofort bestraft. Dortmund muss sich ordentlich steigern, um in den Duellen mit den frisch gebackenen Supercup-Siegern nicht zu verlieren. Gegen den AS Monaco wird es aus anderen Gründern kaum einfacher. Leonardo Jardim versteht Jahr für Jahr, aus interessanten Talenten ein funktionierendes Ensemble zu basteln, dass gerade im emotionslosen Stade Louis II so manches besseres Team überrumpelt. Die Dortmunder mussten das vor zwei Jahren selbst erleben, allerdings ließ sich das Viertelfinal-Aus bei den Monegassen auf Grund des Bombenattentats in Dortmund nicht nach sportlichen Gesichtspunkten bewerten. Alles in allem stehen die Chancen auf ein Weiterkommen nicht schlecht, aber ohne Topleistungen droht zum zweiten Mal in Folge das Aus in der Gruppenphase.

 

Emotionale Duelle

Etwas optimistischer können die geliebten Nachbarn aus Gelsenkirchen ins Rennen gehen. Lokomotive Moskau, der Verein von Ex-Kapitän Benedikt Höwedes, war das Wunschlos aus Topf eins; die weiteren Gegner, Porto und Galatasaray, entsprechen etwa Schalkes Niveau. Es hätte für Domenic Tedescos Männer weitaus schlimmer werden können. Entscheidend für den Einzug ins Achtelfinale wird sein, ob die Königsblauen ihre starken Defensivleistungen der vergangenen Saison auch aufs internationale Parkett bringen können. Zudem muss sich zeigen, ob in der Offensive durch die Verpflichtung von Mark Uth genügend Qualität vorherrscht, um Dienstag- und Mittwochabends zu bestehen. Es werden enge, emotional aufgeladene Duelle werden, aber Schalke muss vor dieser Gruppe nicht Angst und Bange sein.

 

Eine große Doppelbelastung

Für Neuling TSG Hoffenheim wiederum wird es aller Voraussicht nach nur um den dritten Platz gehen. Die Konkurrenz erscheint zu stark, um vom Erreichen der K.o.-Runde auszugehen, auch wenn das der eine oder andere Medienbericht in Deutschland anders einschätzt. Pep Guardiolas Manchester City spielt auf allerhöchstem Niveau, die Ukrainer von Schachtjor Donezk haben auch nach dem Abgang einer Topspiele wieder vieler interessante Brasilianer im Kader und Olympique Lyon verbindet Erfahrung mit Top-Talenten aus heimischer Zucht. Julian Nagelsmanns Team, das im Vorjahr mit der Doppelbelastung in Liga und Europa League überhaupt nicht zurecht kam, kann nur mit großer taktischer Geschlossenheit die mangelnde Individualität ausgleichen. Platz vier markierte zwar den größten Triumph der Vereinsgeschichte, aber die Ergebnisse (55 Punkte) entsprachen im Grunde nicht dem Level einer Champions-League-Mannschaft. Ob Hoffe im Konzert der ganz Großen wirklich mithalten kann, muss man leider bezweifeln.