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Zweieinhalb Klubs in der Elite: was die “Deloitte Money League” für den deutschen Fußball bedeutet.

Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 gehörten auch 2018 wieder zu den zwanzig reichsten Vereinen der Welt.

Während Schalke ein bisschen wenig aus seinem Geld macht, sind die Dortmunder wahre Wirtschafts-Meister.

Bayern wird seine Position in der Spitze halten, aber für den Rest der Liga wird es immer schwerer, mit den ganz Großen mitzuhalten. 

 

Geld und sportlicher Erfolg kommen beim professionellen Fußball meist zusammen, auch wenn sich das vielleicht ein bisschen unromantisch anhört. Es gibt jedoch Ausnahmen, die diese Regel bestätigen. Manchester United hechelt zum Beispiel schon seit Jahren den Ansprüchen her, die sich aus der Platzierung als drittreichster Verein der Welt (Quelle: Deloitte Money League 2019) ergeben sollten. 666 Millionen Euro Umsatz in der Saison 2017/18, mag zwar die passende Ziffer für einen Klub sein, der bei seinen Fans als die Red Devils firmiert. Doch trotz des vielen Geldes hat man im Old Trafford seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson 2013 keine Mannschaft zusammen bekommen können, die ernsthaft in der Lage wäre, in der heimischen Liga oder in der Königsklasse um den Titel zu spielen.

 

Schalke: das deutsche Man Utd.

Ein noch krasseres Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag stellt unter den Top 20 vielleicht nur noch Schalke 04 dar. Das Team von Domenico Tedesco spielt momentan wirklich nicht so, wie man es vom aktuell sechzehntreichsten Klub Europas (Umsatz: 244 Millionen Euro) erwarten könnte; die Vorstellungen der Knappen sind, man muss es leider sagen, eher in Nähe von Platz 16 in der Bundesliga angesiedelt. In der laufenden Saison dürfte 04 dank der Einnahmen aus der Champions League übrigens enger an die 300-Millionen-Grenze rücken. Die fußballerische Armseligkeit, die in vielen Partien zu bemängeln war, fällt vor diesem Hintergrund aber noch ein bisschen erschreckender aus.

Warum in Gelsenkirchen derzeit so wenig aus den monetären Möglichkeiten gemacht wird, ist eine Frage, die Tedesco und Sportvorstand Christian Heidel gemeinsam beantworten müssen. Der Mannschaft gelang jedenfalls nicht die erwartete Entwicklung auf dem Rasen; vor allem, weil die kreativen Lösungen in der Offensive gänzlich fehlen. Egal, wer am Ende wie viel Schuld hat: die Schwächen in der Kaderzusammenstellung und in Tedescos Spielanlage haben sich gegenseitig verstärkt.

 

Nirgends wird Geld so gut eingesetzt – und vermehrt –  wie in Dortmund

Genau das Gegenteil davon kann man unweit bei der Borussia aus Dortmund bewundern. Unter Lucien Favre spielt die in wesentlichen Positionen neu formierte Mannschaft konstant begeisternd, und dazu noch begeisternd konstant. Verein und Trainer machen fast alles richtig, als Belohnung winkt der erste Meistertitel seit 2012 sowie der Einzug ins Viertelfinale der Champions League gegen ein ersatzgeschwächtes Tottenham Hotspur. Besonders eindrucksvoll erscheint die Leistung der Schwarzgelben, wenn man den finanziellen Nachteil gegen Bayern München in die Bewertung mit einbezieht. Dortmund setzte im sportlich eher schwachen Vorjahr  317 Millionen Euro um, nur knapp die Hälfte von den 629 Millionen Euro, die der deutsche Branchenkrösus im selben Zeitraum erwirtschaftete.

Deloitte bezieht Erlöse aus Transfers nicht in die Berechnung der Gelder-Tabellenliste  mit ein. Das verfälscht das Bild etwas, da gerade Dortmund im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 200 Millionen Euro mit Spielerverkäufen erzielte. Wie Michael Zorc unlängst in einem Interview mit ESPN zugab, ist die Borussia darauf angewiesen, zumindest einen teuren Spieler im Jahr zu veräußern, um den Rückstand gegenüber den größeren Klubs in In-und-Ausland nicht zu groß werden zu lassen. Aus eigener Kraft kann Dortmund das Minus auf absehbare Zeit aber nicht aufholen. Um über die Grenzen hinaus konkurrenzfähig zu bleiben, ist man weiterhin gezwungen, entwicklungsfähige Spieler für relativ wenig Geld zu finden oder im Idealfall eigene Spieler aus der Jugend in die erste Mannschaft zu führen. Bayern, eine über jahrzehntelang optimierte Kommerz-Maschine mit starken strategischen Partnern, kann es sich dagegen leisten, sich auf höherpreisige Profis zu konzentrieren.

 

Ohne Strukturreformen hat das Gros der Liga keine Chance, international voran zu kommen

Für die beiden besten Bundesliga-Klubs wird sich im internationalen Vergleich wenig ändern, beide werden mit ihren funktionierenden Geschäftsmodellen ihre Stellungen halten können. Schalke hat sich in finanzieller Sicht ebenfalls als sehr stabil erwiesen. Für den Rest der Liga aber wird der Sprung in die absolute Elite für Jahr zu Jahr schwieriger. Auf Dauer wird sich der deutsche Vereinsfußball fragen müssen, ob er sich mit zweieinhalb Teams unter den Besten der Besten zufriedengeben kann und will – oder doch vielleicht etwas unromantische Bedingungen schaffen will, die mehr Klubs in die erste Finanzliga pushen können.

Die aktuellen Quoten der Bundesliga gibt es hier .