Mavs-Legende Dirk Nowitzki jetzt sechstbester Werfer in NBA-Historie. Dallas verpasst trotz Supertalent Dončić die Playoffs. Portlands staatenloser Center Enes Kanter.   Spitzensport weckt vor allem dann die Emotionen der Menschen, wenn da nicht nur durchtrainierte Athleten auf dem Rasen oder dem Parkett einem Ball hinterherjagen, sondern hinter der muskelbepackten Fassade besondere Geschichten stecken. Wenn es danach geht, gibt es in dieser Woche nur ein Spiel, auf das man nicht verzichten sollte. Rein sportlich ist das Duell zwischen den Portland Trail Blazers und den Dallas Mavericks nicht mehr wirklich von Bedeutung. Dallas wird in dieser Saison die Playoffs verpassen, das stand schon vor dem ersten Korbleger gegen Portland fest. Die Trail Blazers hingegen haben als aktuell Vierter in der Western Conference beste Chancen, es in die K.o.-Runde zu schaffen, wo am Mittwoch-Mittag nur die Golden State Warriors und die Denver Nuggets bereits sicher durch sind.  

Die Revolution des „Big Man“

New Orleans Pelicans vs. Dallas Mavericks Doch dieses Spiel hat viel spannendere Geschichten zu erzählen, als bloß jene von Punkten, Rebounds, Blocks oder Assists. Die schönste hat Dirk Nowitzki zu erzählen, der sich bekanntlich auf Abschiedstournee durch die NBA befindet und längst festgestellt haben sollte, dass sich die Anstrengungen für diese letzte Runde als Profi-Basketballer gelohnt haben. Rein sportlich sind Nowitzkis Auftritte nicht mehr mit jenen aus seinen besten Tagen zu vergleichen, aber darum geht es in dieser Saison auch nicht. Viel entscheidender ist, was der Deutsche dem amerikanischen Basketball-Volk hinterlassen wird. Ohne diese Leistung wirklich für sich beanspruchen zu wollen, hat Nowitzki die NBA revolutioniert. Er war der erste sogenannte „Big Man“, der sich auf der Position des Power Forwards in den Vordergrund spielte, war der erste so groß gewachsene Spieler, der seine Punkte vorrangig mit Würfen aus der Distanz erzielte. Sein „Fadeaway“, jener so schwer zu verteidigende Wurf im Zurückfallen, ist nicht nur zu seinem Markenzeichen geworden, in den USA hat man dafür extra ein eigenes Emoticon entworfen: einen Flamingo, weil dieses Tier Nowitzki in seiner für ihn so typischen Wurfbewegung so ähnelt. Er hat in dieser Spielzeit mehr gegnerische Hände schütteln müssen, als er Punkte erzielt, in New York nutzte ein Trainer die letzte Auszeit des Spiels, um Nowitzki per Hallenlautsprecher zu danken und zu verabschieden. Und als wäre das noch nicht genug, warf er im vergangenen Spiel gegen die New Orleans Pelicans vier Punkte, mit denen er in der ewigen Bestenliste der NBA die Legende Wilt Chamberlain überholte und nun als sechstbester Werfer aller Zeiten (31.424 Punkte) aufgeführt wird. „Surreal“, nannte Nowitzki diesen Rekord selbst und das trifft es wohl am besten. Den Pass zum historischen Punkterekord gab ihm übrigens ein junger Mann, der in dieser Saison auch für eine besondere Geschichte gesorgt hat. Im Schatten der abtretenden Dallas-Ikone Nowitzki ist der Slowene Luka Dončić zu einem der besten Rookies in der Historie der NBA geworden, seine Statistiken sind ähnlich beeindruckend wie die Leichtigkeit, mit der er in der NBA seine Punkte erzielt. „Er ist ein Spieler, der auf dem Court alles machen kann, was er will und wann er will“, hat Nowitzki seinen Nachfolger bei den Mavs geadelt, „er ist viel, viel besser vorbereitet, als ich es als Rookie war. Er hat eine Reife in allen Facetten seines Spiels, die meiner in meiner Anfangszeit in der NBA weit überlegen ist.“  

Staatenloser „Big Turkey“ bei den Trail Blazers

Portland Trail Blazers vs. Brooklyn Nets Auf der anderen Seite, im Trikot der Portland Trail Blazers, findet sich auch ein Mann mit einer besonderen Geschichte, bloß ist es eine eher traurige. Enes Kanter, ein 2,11 Meter großer Center mit dem passenden Beinamen „Big Turkey“, wurde in der Türkei geboren, und ist doch gegenwärtig staatenlos, weil er sich öffentlich als Anhänger des islamischen Predigers Fethulla Gülen bekannt hat. Jener Gülen, der seit 1999 im Exil in den USA lebt, gilt als Todfeind des autokratischen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, seine Anhänger werden in der Türkei verfolgt und hart bestraft. Oder eben verbannt, wie der Fall Kanter zeigt. Der ist momentan staatenlos, 2016 erklärte außerdem sein eigener Vater, dass man den Sohn aus der Familie verstoßen habe. Komische Zeiten sind das. Manchmal ist es vielleicht doch gar nicht so verkehrt, einfach ein paar Athleten dabei zuzuschauen, wie sie einem Ball hinterherjagen. Wenn die Mavericks gegen Portland mehr 104,5 Punkte erzielen, liegt die Quote bei , gewinnen die favorisierten Trail Blazers mit einem Vorsprung von 21-25 Punkten liegt die Quote bei . Mein Tipp: Wie schon gegen die Pelicans schaffen es die Mavericks in die Verlängerung und gewinnen überraschend die Partie .  
Quoten unterliegen Änderungen.

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