Flaschentritte und Montagsspiele: Viele Nebengeräusche vor Achtelfinal-Rückspiel SGE-Trainer Adi Hütter gegen Inter gesperrt: „Verlasse mich auf meine Assistenten“. Mailand gelingt Generalprobe in der Serie A.   Adi Hütter, das muss man wissen, war nicht immer Trainer. Manche Übungsleiter scheinen ja schon an der Seitenlinie geboren worden zu sein, der Coach von Eintracht Frankfurt gehört zu jener Spezies, die man sich schwer in einem verschwitzten Trikot vorstellen kann. Aber genau das war drei Jahrzehnte lang Hütters Arbeitskleidung, 19 Jahre davon gar als bezahlter Fußballer. Seine größte Zeit hatte er von 1993 bis 2000 als Mittelfeldspieler für den SV Austria Salzburg, jenen Verein, der später von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz geschluckt und als Red Bull Salzburg wieder ausgespuckt wurde. 1994, als die meisten seiner jetzigen Spieler noch gegen Stoffbälle in den Hinterhöfen ihrer Kindergärten traten, stand Hütter mit Salzburg gar im Uefa-Cup-Finale, verlor dort allerdings knapp mit 0:1. Gegner und Gastgeber damals (1994 wurde das Finale noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen): Inter Mailand.  

Schon ein 1:1 würde Frankfurt reichen

Und damit wieder zurück in die Gegenwart, die den Österreicher Adi Hütter meist im schicken Anzug an der Seitenlinie stehend kennt. Aus dem begabten Mittelfeldmann ist ein hochbegabter Trainer geworden, der mit Eintracht Frankfurt eine fantastische Saison erlebt. In der Bundesliga steht die SGE nach dem jüngsten 3:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf auf Platz 5, in der Europa League hat man nach dem 0:0 im Hinspiel gegen Inter Mailand gute Chancen aufs Weiterkommen. Dank der Auswärtstorregel würde den Frankfurtern dafür schon ein 1:1 im legendären San Siro, dem Stadion der Mailänder, reichen. Dort muss die Auswahl am Donnerstagabend allerdings ohne ihren Cheftrainer auskommen. Der hatte im Hinspiel eine Plastikflasche mit einem Vollspannstoß bearbeitet und offenbar hatte auch das Schiedsrichtergespann vergessen, dass der Trainer Hütter früher mal der Fußballer Hütter war, jedenfalls verbannten ihn die Unparteiischen zunächst auf die Tribüne und sperrten ihn gar für das Rückspiel in Mailand. Hütter selbst nahm es mit Humor: „Bruno Hübner (Frankfurts Sportdirektor) hat es super gesagt: Im Endeffekt hätte man den strafen müssen, der die Flasche dort hingestellt hat. Ich hätte mir das sparen können, aber ich wollte zeigen, dass ich auch mal Fußball gespielt habe - der Schiedsrichter hat das ein bisschen anders gesehen.“ Externe Beobachter, wie der frühere Frankfurter Torwart Uli Stein, fanden die Bestrafung hingegen gar nicht so lustig: „Die Leute, die solche Urteile fällen, haben nie auf dem Fußballplatz gestanden. Das sind Bürohengste, die keine Ahnung vom Sport haben. Es ist schon traurig, dass solche Urteile überhaupt rechtskräftig sind. Normalerweise musst du die alle in die Wüste schicken.“ Inter Mailand vs. SPAL - Serie A Doch Hütter beweist bei diesem Thema eine Eleganz, wie man sie früher von ihm auf dem Fußballplatz kannte: „Ich mache da kein großes Thema draus. Ich verlasse mich absolut auf die Erfahrung meiner Assistenten. Wir werden es hinbekommen, dass sie mich nicht brauchen.“ Namentlich sind das Christian Peintinger und Armin Reutershahn. Hütters Sperre war nicht der einzige Aufreger im Vorfeld des Rückspiels. Die kuriose Ansetzung der DFL, die doch eigentlich die ungeliebten Montagsspiele eingeführt hatte, um Europapokal-Teilnehmer zu schützen und dann doch die Eintracht gegen Düsseldorf antreten ließen, sorgte dafür, dass 3500 Frankfurt-Fans aus Protest die erste Halbzeit gegen die Fortuna boykottierten. Doch auch hierbei zeigen die Verantwortlichen der Eintracht eine tolerante Lässigkeit, die ihnen nur noch mehr Sympathiepunkte einbringen dürfte. Über die vereinseigenen sozialen Medien ließ Bruno Hübner verlautbaren: „Das Spiel ist für uns in Bezug auf die Inter-Spiele kein Nachteil. Wir haben mit der Terminierung kein Problem.“ Und auch Sportvorstand Fredi Bobic befand, dass so eine Mehrfachbelastung „kein Problem für Profifußballer sein sollte“.  

Bis zu 20.000 Frankfurter in Mailand erwartet

Frankfurts eigentliches Problem heißt Inter Mailand, denn auch der Tabellenvierte aus der Serie A gewann seine Generalprobe vor dem Achtelfinal-Rückspiel und ist in dieser Saison im heimischen Stadion noch ungeschlagen. Beim starken Auftritt in Frankfurt bewies die Mannschaft von Trainer Luciano Spaletti, was für großartige Spieler sie in ihrem Kader hat. Die Eintracht setzt deshalb auch auf den in dieser Spielzeit schon häufig so wichtigen 12. Mann, offiziell werden 13.500 Frankfurter in Mailand erwartet, vermutlich dürften es aber an die 20.000 Hessen sein, die die norditalienische Metropole fluten werden. Wie entscheidend der Einfluss der Zuschauer auf den Erfolg ihrer Mannschaft ist, zeigte sich auch gegen Düsseldorf: alle drei Tore fielen erst in der zweiten Halbzeit, als der Anhang seinen Boykott wieder beendet hatte. Eintracht Frankfurt vs. Inter Mailand Für einen Heimsieg der Mailänder steht die Quote bei , gewinnt die Eintracht gibt es eine Quote von . Mein Tipp: Nach einer eher verhaltenen ersten Halbzeit fallen die Tore für beide Mannschaften erst in der zweiten Hälfte , letztlich erreichen die Frankfurter tatsächlich ein 1:1 und ziehen damit ins Viertelfinale ein.  
Quoten unterliegen Änderungen.

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