Es ist schon vorgekommen, dass ein Trainer, den der Verein eigentlich los haben will, große Erfolge feiert. Neu ist allerdings die Bayern-Variante in diesem Jahr: Meistermacher wird mit Jupp Heynckes ein Mann, der erwiesenermaßen viel lieber zu Hause mit Familie und Schäferhund auf dem Sofa sitzen würde. Das sagt eigentlich schon alles über die Dominanz der Münchner aus, beziehungsweise über die Probleme der Bundesliga-Konkurrenz, tatsächlich konkurrenzfähig zu sein. Selbst Carlo “Hände in den Hosentaschen” Ancelotti brachte es nicht fertig, die Vorsaison nicht auf Platz eins abzuschließen.   Einen Titelkampf wird es bei elf Punkten Vorsprung auch in dieser Spielzeit nicht geben. Dafür ist die Qualität des bayerischen Kaders zu hoch und Heynckes’ Toleranzschwelle für Undiszipliniertheiten jeglicher Art zu niedrig. Seine Bayern werden in der Rückrunde schneller, entschlossener, ja: besser spielen. Die Frage ist, gerade mit Hinsicht auf die Champions League: wie viel besser?

Fängt Dortmund sich wieder?

Verbesserungen sind unbedingt auch in Dortmund erwarten. Peter Stöger stellt die Mannschaft konsequent 15m weiter hinten auf, das bringt die unter Peter Bosz verloren gegangene Sicherheit zurück. Wenn jetzt auch noch Pierre-Emerick Aubamayeng rechtzeitig zu den Spielen erscheinen sollte - sein Wecker ist öfters defekt -  wird es zwangsläufig aufwärts gehen. Dass Borussia nach der fürchterlichen Hinrunde immer noch gute Chancen hat, die Königsklasse zu erreichen, ist kein Kompliment für die Verfolger (Gladbach, Leipzig etc), zeigt dafür aber die Ausgeglichenheit in der oberen Tabellenhälfte - Bayern ausgenommen. Zwischen den unter Domenico Tedesco wiedererstarkten Schalkern auf Platz zwei und Hertha BSC auf Platz zehn sind es gerade mal sechs Punkte. Das Rennen um Platz vier - der nächstes Jahr einen automatischen Startplatz in der Champions League garantiert - war selten so spannend. Auf dem Papier müssten es neben den beiden Ruhr-Rivalen im Grunde die Leipziger schaffen, doch dem Team von Ralph Hasenhüttl war zuletzt die Kraft ausgegangen. Ein frühes Aus in der Europa League, wo mit dem SSC Neapel eine der besten Mannschaften überhaupt wartet, wäre im Sinne der Bundesliga-Ambitionen wahrscheinlich hilfreich.

Die Überraschung des Jahres - Leverkusen

Als Überraschungsmannschaft des Jahres hat sich bisher Bayer 04 Leverkusen beworben, mit teilweise wunderschönem Konterfußball (sieben Tore nach schnellem Umschalten sind Bestwert in der Liga) und den wirklich mitreißenden Dribblings von Len Bailey. Die TSG Hoffenheim dürfte ebenfalls häufig punkten. Ohne die Doppelbelastung der internationalen Spiele werden es die Kraichgauer leichter haben, besonders wenn gleichzeitig Stöger in Ost-Westfalen funktioniert. Die Julian-Nagelsmann-Diskussion erfährt dann aus Sicht der Borussen weniger Dringlichkeit. Es gibt aber noch andere Fragen, die uns beschäftigen werden. Wieviele rote Karten wird der Neu-Mainzer Nigel de Jong verbuchen? Wer hat am meisten Glück nach dem großen Torjäger-Tausch? Mario Gomez (aus Wolfsburg) beim VfB Stuttgart, Simon Terodde (aus Stuttgart) in Köln oder Sandro Wagner (aus Hoffenheim) bei Bayern oder Anthony Ujah (aus China) in Mainz? Gomez und Wagner kämpfen um einen Platz im deutschen WM-Kader. Gomez als Abstiegskämpfer in Schwaben, Spätzünder Wagner als Teilzeit-Kraft hinter Robert Lewandowski. Vorteil: Mario.

Wer schafft es aus der Krise?

Weiter unten brauchen die Kölner (sechs Punkte) gleich mehrere Wunder, um nicht abzusteigen. 2018 wird insgesamt wieder kein gutes Jahre für die Traditionsvereine. Stuttgart, Werder und der HSV sind akut gefährdet, sich in die 2. Liga zu verabschieden. Hinter den Bayern wie über den Kölnern blüht jedoch noch: die Hoffnung.  Den Rest klärt der allseits beliebte Videobeweis.
Quoten unterliegen Änderungen.

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