“Es sieht so aus, dass wir im nächsten Jahr auch Deutscher Meister werden,” sagte Jupp Heynckes bei der Pressekonferenz am Freitag so beiläufig, als würde er über die Wettervorhersage für die kommenden Tage sinnieren. Mit der legeren Titel-Prognose wollte der 72-jährige sein Vertrauen in die bayerische Vereinsführung untermauern. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren nach Thomas Tuchels Zusage an einen ausländischen Top-Verein - höchstwahrscheinlich Paris St. Germain - vor einer Woche ja viel kritisiert worden; die Uneinigkeit an der Säbener Straße gefährde auf Sicht den sportlichen Erfolg des Rekordmeisters, so der Tenor. Heynckes widersprach dieser Lesart entschieden; die richtigen “Weichen” würden schon gestellt werden, der nötige Umbruch “kontinuierlich” weiter gehen, versicherte er. Mit seiner vollmundigen Prophezeiung sprach er aber auch eine andere große Wahrheit gelassen aus: wer nach ihm Trainer wird, ist, was den nationalen Wettbewerb angeht, wohl tatsächlich zweitrangig. Der Coach, der es schafft, mit dem ihm verfügbaren Luxuskader nicht Meister zu werden, wird für die FCB-Bosse nur sehr schwierig zu finden sein. Ganz egal, ob er nun die deutsche Sprache spricht oder nicht. Bayerns totale Dominanz der heimischen Liga in den letzten sechs und vielleicht auch nächsten sechs Jahren weckt vor dem Duell gegen Borussia Dortmund am Samstag nicht nur beim neutralen Beobachter Sehnsucht nach den Zeiten zu Beginn der Dekade, als die Schwarzgelben unter Jürgen Klopp den Roten über drei Spielzeiten hinweg die großen Titel streitig machten und dafür sorgten, dass der deutsche Vereinsfußball en passant ein völlig neues Niveau erreichte. So sehr man sich in München freut, die Meisterschaft nun schon (mindestens) 34 Spieltage vor Ablauf der Saison einplanen zu können,  beherrscht zugleich die Sorge um die Marke “Bundesliga” immer stärker  die Gedanken. Rummenigge, der in seiner Rolle als Vorsitzender des Verbands der europäischen Top-Klubs (ECA) lange vor den Gefahren eines ungezügelten Marktes gewarnt hatte, scheint sich mittlerweile den einen oder anderen Investor in der Liga zu wünschen. Mit eigenen, organisch erwirtschafteten Mitteln kann kein Verein auch nur ansatzweise mit den Münchnern konkurrieren. Thomas Mueller of Bayern Muenchen celebrates scoring Dieses Problem ist für den FC Bayern aus eigener Kraft nicht zu lösen. Das bayerische Selbstverständnis macht es unvorstellbar, dass man sich einige Jahre lang mit Platz zwei oder drei in der Liga begnügen könnte. Selbst wenn man aus Kulanzgründen ganz darauf verzichten würde, in den nächsten fünf Jahren gute Spieler von anderen Bundesligisten abzuwerben, würde sich am Ungleichgewicht nicht viel ändern. Die besten Kicker würden dann, wie Kevin de Bruyne oder Leroy Sané, noch zügiger in die Premier League abwandern, während die Münchner ihre Spitzenkräfte halten würden und sich dazu im europäischen Luxus-Segment bedienen könnten. Dortmund, der Gegner am Samstag, erscheint auf schwächerem Niveau einer ähnlichen Dynamik verhaftet. Der Kader ist mittlerweile so gut besetzt, dass ein Platz unter den ersten vier nahezu unabhängig vom Mann auf der Bank gesichert ist. Das erklärt auch, warum sich Peter Stöger trotz der fußballerischen dürftigen Leistungen weiter Chancen auf eine Beschäftigung im nächsten Jahr machen darf. Ein solider, pfegeleichter Übungsleiter scheint der Klubfühurng angenehmer als ein streitbarer Innovator, der viel Reibung erzeugt, am Ende aber doch nicht an den Bayern vorbeikommt. Dortmund muss sich entscheiden, ob es in den nächsten Jahren einfach den Status Quo akzeptiert oder nicht doch verstärkt nach jenem Sechser im Lotto Ausschau hält, der wie einst Klopp den ganzen Verein in Schwingung versetzen kann.
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