Der Wechsel von Jan Fiete Arp nach München zeigt, wie sehr sich die Transferpolitik des Rekordmeisters verändert hat. Sportlich und finanziell birgt die Verpflichtung des 19-Jährigen gewaltige Chancen. Dem HSV bleibt der Stürmer vorerst erhalten - er soll spielen.   Ja gut, sicherlich, “Bayern holt Null-Tore-Stürmer aus der zweiten Liga!” ist jetzt nicht unbedingt die Schlagzeile, die bei Fans der Münchner Herzrasen auslöst. Trotzdem kann man den Rekordmeister zum Kauf von Jan Fiete Arp (auf Raten) nur gratulieren. Er zeigt ein weiteres Mal, dass man sich an der Säbener Strasse sehr gut auf die veränderte Marktsituation eingestellt hat.  

Die besten Spieler kommen nicht mehr automatisch zum FC Bayern

Die Kostenexplosion bei Transfers in den vergangenen drei, vier Jahren hat selbst den Bundesligabranchenkrösus gezwungen, schneller und kreativer zu agieren. Die Zeiten, in denen sich die Vorstandsriege von August bis Juni gemütlich im Käfer zurücklehnen konnte, da die besten Spieler der Liga aufgrund des finanziellen Vorsprungs sowieso zwangsläufig irgendwann im roten Trikot auflaufen würden, sind lange vorbei. Spätestens seit den Bayern die zwei Diamanten Leroy Sané und Kevin De Bruyne durch die Lappen gingen, ließ sich dieser Trugschluss nicht mehr aufrechthalten. Angehende Stars müssen heute so früh und günstig wie möglich gekauft werden, da sie nach einer oder zwei guten Spielzeiten ansonsten bei der (hauptsächlich im Ausland angesiedelten) Konkurrenz landen - und danach nicht mehr erschwinglich sind. Jan Fiete Arp wechselt zum FC Bayern  

Moneyball auf bayerisch

Der FC Bayern hat keine andere Wahl, als ähnlich wie Borussia Dortmund “Moneyball” zu spielen: er wird sich verzählt um Perspektivspieler bemühen. Wie das erfolgreich aussehen kann, hat bereits die über den Umweg Bremen getätigte Verpflichtung von Serge Gnabry gezeigt. Der 23-Jährige Nationalspieler kam für nur acht Millionen in München und hat heute - vorsichtig geschätzt - den fünffachen Marktwert. Einen Zweitligaspieler ohne Tore zu holen, mag merkwürdig anmuten, aber der Preis ist aus Bayern-Sicht so gering, dass der Verein dabei nur gewinnen kann. 2,5 Millionen Euro sind quasi nichts für einen der wenigen deutschen Mittelstürmer, selbst wenn man das kolportierte Jahresgehalt von fünf Millionen Euro mitrechnet. Solange der Spieler sich nicht schwer verletzt oder völlig vergisst, wo das Tor steht, werden die Münchner am Ende kein Geld verlieren. Das sportliche Wagnis ist ebenfalls null. Entweder Arp schafft es - wie Gnabry - in  den nächsten Jahren den nächsten Schritt zu machen, oder eben nicht. Ein Käufer wird sich immer finden. Hasan Salihamidzic Wichtig ist nur, dass er zu Einsatzzeiten kommt. Auch das ist eine Lektion der vergangenen Jahre und speziell aus dem Gnabry-Deal: Talente müssen spielen, um voranzukommen; notfalls eben bei anderen Klubs. Im Bestfall steigt Arp mit dem HSV wieder in die Bundesliga auf und spielt noch eine Saison in der ersten Liga. 2020 ist der Bedarf im Sturmzentrum der Münchner vielleicht auch größer. Der letzte Zweitliga-Stürmer, der nach München kam, hieß übrigens Nils Petersen. Der Mann aus Wernigerode war damals Torschützenkönig im Unterhaus, kam aber nach seinem vier-Millionen-Euro-Wechsel von Energie Cottbus im Sommer 2011 nicht bei den Bayern zurecht. Er wurde an Werder verliehen und ging 2013 an die Weser - für fünf Millionen Euro. Im allerschlechtesten Fall wird es für Arp ähnlich laufen. Die Risiken und möglichen Nebenwirkungen sind so gering, dass Spieler und Klub bei diesem Geschäft nur gewinnen können. gibt es die aktuellen Bundesligaquoten.  
Quoten unterliegen Änderungen.

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