Wie sicher ist der Job von Schalke-Manager Heidel? Hertha setzt auf Heimstärke. Schalke-Trainer Tedesco: „Müssen uns Herthas Taktik stellen“.   Über den vermeintlich „modernen“ Fußball ist schon so viel geschrieben und geredet worden. Kein Fußball-Stammtisch ohne altgediente Recken, die sich über die „Laptop-Trainer“ oder „abkippende Sechser“ und „falsche Neuner“ lustig machen. Kein Bundesliga-Coach, der es sich erlauben darf, nicht über sämtliche taktische Errungenschaften der vergangenen Jahre bis ins kleinste Detail Bescheid zu wissen. Fußball als Wissenschaft? Nun, am Ende hat doch immer wieder Alfred „Adi“ Preißler Recht, von dem dieses wunderbare Zitat stammt: „Grau is´ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is´ auf´m Platz.“  

Adi Preißler und die Laptop-Trainer

Fraglich, ob auch auf Schalke häufig an jene Weisheit erinnert wird, denn Preißler (1921-2003) gilt vollkommen zurecht als Legende von Intimfeind Borussia Dortmund, gewann mit dem BVB zwei Deutsche Meisterschaften und bis heute erinnert die Zufahrtstraße (Adi-Preißler-Allee) zum Dortmunder Trainingsgelände an den Nationalstürmer. Aber Schalke-Trainer Domenico Tedesco, mit seinen 33 Jahren einer jener Vorzeige-Laptop-Trainer, wird schon wissen, was Preißler damit gemeint hat: Dass es eigentlich vollkommen wurscht ist, was sich Trainer, Trainerassistenten und Assistenten von Trainerassistenten vor einem Spiel ausdenken, weil es doch immer noch darauf ankommt, was elf Spieler am Ende in 90 Minuten auf dem Rasen abliefern. Pal Dardai Trainer Hertha BSC Berlin Im Hinspiel gegen den kommenden Gegner Hertha BSC bekamen das Tedesco und seine Mannen deutlich zu spüren. Da entschied sich der Berliner Trainer Pal Dardai zu einem längst vergessenen Taktik-Trick aus der Vergangenheit und schickte seinen Spieler Ondrej Duda mit dem Auftrag auf den Platz, Schalkes Sebastian Rudy in Manndeckung zu nehmen. Zur Erklärung: die Manndeckung ist fast so alt wie das Zitat von Adi Preißler, seit vielen Jahren setzen Fußball-Mannschaften bis runter in die Kreisliga auf Abwehrketten, die nicht die Gegenspieler, sondern den Raum zu decken haben. Was Pal Dardai völlig egal war und weil sein Manndecker Duda nicht nur Schalkes Rudy komplett aus dem Spiel nahm („Der folgt mir heute bis aufs Klo!“), sondern auch noch beide Tore zum 2:0-Erfolg schoss, ging der Ungar Dardai als der strahlende Sieger aus dem Stadion. Nicht ohne einen Gruß an die Vergangenheit. Angesprochen auf seinen Kniff mit der Manndeckung, sagte er: „Eine uralte Methode. Das wurde vor 20 Jahren immer so gemacht.“  

21 Punkte: Für Schalker Ansprüche viel zu wenig

Trainer Domenico Tedesco Schalke 04 Domenico Tedesco hatte er damit ganz offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt. Auch deshalb erklärte der Schalke-Trainer vor dem Rückspiel: „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass uns das wieder passiert. Dem müssen wir uns stellen“ – und meinte damit natürlich die uralte Methode von Oldschooler Dardai. Stellen müssen sich die Schalke vor allem einem noch älteren typischen Schalker Problem: in Ruhe arbeiten konnte man bei diesem Verein noch nie. Die katastrophale Hinrunde hat Tedescos Arbeitsplatz nicht gerade sorgenfreier gemacht, immerhin reichte es zum Rückrundenauftakt zu einem Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Und doch sind die mageren 21 Punkte, mit denen 04 auf Tabellenplatz 12 herumdümpelt, noch immer viel zu wenig für die Ansprüche eines Klubs, der nach den Bayern und Borussia Dortmund über den höchsten Etat der Liga verfügt. Auch deshalb raunte der westdeutsche Blätterwald mal wieder von einem angespannten Verhältnis zwischen Manager Christian Heidel und seinem Trainer, vor allem zu Klub-Boss Clemens Tönnies. Während Tedesco deutlich zu verstehen gab, dass er Abwehrrecke Naldo gerne behalten hätte („Transfer war nicht meine Entscheidung“) und Heidel des Trainers Entscheidung, Stammkeeper und Kapitän Ralf Fährmann vorerst auf die Ersatzbank zu verbannen, eher semigut fand („Das ist seine alleinige Entscheidung“), will der mächtige Tönnies natürlich Erfolge sehen. Alles halb so wild, gaben alle Beteiligten vor dem Auswärtsspiel in Berlin zu Protokoll, wobei es vermutlich erst richtig wild werden könnte, wenn Schalke auch das Rückspiel gegen Hertha verliert. Womit wir diesen Artikel beenden sollten, grau ist schließlich alle Theorie. Wichtig ist auf´m Platz. Und vielleicht noch auf dem Tippzettel. Dort bringt ein Sieg der Berliner eine Quote von 2,6, ein Unentschieden 3,3, ein Auswärtssieg der Schalke 2,875. Mein Tipp: Gegen weiterhin strauchelnde Schalke gewinnt die Hertha mit 3:1 , wobei die Schalker in Führung gehen und Hertha nach einem Rückstand doch noch klar gewinnt .  
Quoten unterliegen Änderungen.

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