Nach 26 Tagen Winterpause beginnt am Freitagabend die Rückrunde unserer geliebten Bundesliga. Dortmund darf sich berechtigte Hoffnungen auf den Meistertitel machen, aber die Bayern wähnen sich im Aufwind. Auch fernab des Meisterrennens sind viele interessante Fragen offen.   Die Bundesliga hat uns wieder. Und wir sie. Endlich. Die Rückrunde verspricht Bewegendes, vor allem im Titelkampf. Mit sechs Punkten Vorsprung geht die Borussia Dortmund erstmals seit dem goldenen Double-Jahr in der Ära Klopp als Tabellenführer in die zweite Saisonhälfte; die Chance auf die Meisterschaft ist real und groß, auch wenn die Schwarzgelben das lieber nicht offen aussprechen. Angefangen von Lucien Favre, der (zumindest äußerlich) bei jeder Erwähnung des Wortes “Meisterschaft” wie von einem bösen Geist erschreckt zusammenzuckt, haben sich die Borussen demonstrative Demut vorgeschrieben. Das soll vor allem gegen Anflüge von Überheblichkeit in den Partien gegen vermeintlich kleinere Teams  - I’m looking at you, Fortuna - helfen, wie Thomas Delaney erklärt. “Wir sind unser eigener größter Gegner”, sagt der Däne, “es liegt allein uns, die Konzentration hoch zu halten.” Darüber hinaus möchte man dem angeschlagenen Giganten aus Bayern nicht noch zusätzlich mit kernigen Sprüchen reizen. Favre und seinen Schützlingen ist es ganz recht, dass man sich in München nach für Liga-Siegen in Folge vor Weihnachten schon wieder reif für die Titelverteidigung wähnt.  

Dortmund muss aus der Schwäche der Bayern Profit jetzt schlagen

Für die Liga und vielleicht auch für die Bayern selbst wäre es aber mit Sicherheit besser, wenn die Dortmunder am Ende vorne bleiben würden. Ein siebter Titel in Folge mit einer eher schwachen Mannschaft und einem noch unerfahrenen Trainer würde die Bosse an der Säbener Straße überzeugen, doch alles richtig gemacht zu haben, und der Rest der Liga müsste sich angesichts der geplanten Kader-Investitionen in Nähe der 200-Millionen-Euro-Marke fragen, ob man die Schale gleich noch für die nächste Bierdusche im Mai 2020 in München lassen sollte. Fußball Bundesliga Marco Reus Borussia Dortmund  

Fünf Mannschaften streiten um die zwei verbleibenden Startplätze in der Königsklasse

Bis dieser worst case für die um internationales Wachstum und Markenpflege bemühte DFL eintritt, kann aber noch allerhand passieren, gerade im oberen Tabellendrittel. Neben dem rot-schwarzgelben Gerangel um den Titel ist auch der Kampf um die zwei verbleibenden Champions-League-Plätze offen wie selten. Die Borussia aus Mönchengladbach darf sich dank Dieter Heckings neuer taktischer Flexibilität und starken Neuzugängen größte Hoffnungen machen, von RB Leipzig ist nach dem Aus in der Europa League mehr Konstanz zu erwarten, vom leise nach vorne geschlichenen VfL Wolfsburg eher nicht. Eintracht Frankfurt, bis zu einer kleinen Schwächephase am Ende der Hinrunde die Überraschungsmannschaft der Liga ist ebenfalls noch dick im Geschäft. Auch Unentschieden-Meister TSG Hoffenheim (Plaltz sieben) könnte sich mit einem Sieg gegen die Bayern am Freitagabend zurück melden. Julian Nagelsmanns Team wird wie Leipzig von spielfreien Europapokal-Wochen profitieren und darf den einen oder anderen wichtigen Rückkehrer begrüßen. Weniger Lücken in der Abwehr, die regelmäßig das Ausmaß des Gran Canyon erreichen, wären auch nicht verkehrt. Alassane Plea Borussia Mönchengladbach Wo wir schon beim Thema sind: man darf sehr gespannt sein, ob Peter Bosz sein hochriskantes, um nicht zu sagen nach den fernöstlichen Prinzipien des Seppuku ausgerichtetes System bei Bayer 04 Leverkusen durchbringt. Die Werkself (Platz neun) war gemessen an ihren imposanten Fähigkeiten im vorderen Drittel mit die größte Enttäuschung der Vorrunde - neben Schalke 04 und dem VfB Stuttgart - und müsste eigentlich in den kommenden Wochen viel, viel besser abschneiden. Andererseits: Peter Bosz.  

Im Tabellenkeller spricht vieles gegen Nürnberg und Hannover

Und was geht sonst noch, beziehungsweise: wer muss sonst noch gehen? Wahrscheinlich der 1. FC Nürnberg. Schadenfreude ist hier nicht angebracht: der Klub ist kein Depp, ihm fehlt nur das Geld. Hannover 96, von diversen Querelen zermürbt,  wird es vermutlich ebenfalls erwischen, Stuttgart und die Fortuna dürften die Plätze 15-16 unter sich ausmachen. Es wird spannend und unterhaltsam, und mit allergrößter Sicherheit die beste, schönste Saison seit dem schändlichen WM-Desaster in Russland. Die aktuellen Bundesligaquoten findet ihr .  
Quoten unterliegen Änderungen.

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