In einer Liga der starken Trainer geht der Meister mit einem umstrittenen Coach ins Rennen Das Double im Vorjahr hat Niko Kovac kaum geholfen Der Kroate hat die beste Startelf zur Verfügung, aber nur wenig Rückendeckung in Team und Verein   Guardiola, Klopp, Tuchel. Die ganz großen Namen, die in den goldenen 2013-2014 Jahren in Deutschlands höchster Spielklasse beschäftigt waren, fehlen zwar. Noch. Aber die Bundesliga darf sich in der kommenden Saison auch so als Trainerliga verstehen. Selten starteten die achtzehn Klubs mit derart vielen interessanten, einflussreichen Coaches in eine neue Spielrunde. Die Übungsleiter sind vielerorts die Gesichter der Vereine, Fahnenträger und Chef-Entwickler. Der Fokus auf Trainern wie Julian Nagelsmann (RB Leipzig), Marco Rose (Borussia Mönchengladbach), Peter Bosz (Bayer Leverkusen), Oliver Glasner (VfL Wolfsburg) Florian Kohfeldt (Werder)  oder auch Ante Covic (Hertha BSC) zeigt, dass sich in Deutschland nach Jahrzehnten einer sehr spielerzentrischen Betrachtungsweise die Idee durchgesetzt hat, dass der Mann auf der Bank nicht das “schwächste Glied”, sondern die Schlüsselpersonalie in jedem Klub sein muss.  

Das Hauptaugenmerk liegt heute auf der Software

Im Idealfall kombiniert der Coach Empathie für seine Belegschaft und eine pyromanische Veranlagung - “er zündet den Laden an”, sagte S04-Sportchef Jochen Schneider über Wagner - mit innovativem Training und ausgefeilten Strategien, die einzelne Profis und komplette Mannschaften bis ans Limit ihrer Leistungsfähigkeit bringen; für ein paar zauberhafte Momente vielleicht auch darüber hinaus. Gute Resultate sind dabei nur der Anfang. Trainer sollen, wie einst von Jürgen Klinsmann versprochen, alle jeden Tage ein bisschen besser machen und unter dem Strich für den Klub Werte schaffen. Das schnöde Verwalten der vorhandenen Ressourcen reicht heute nicht mehr. David Wagner Schalke 04 Eng verbunden mit dem Aufstieg der Coaches in der betrieblichen Hierarchie ist die zumindest in Teilen veränderte Rezeption ihrer Arbeit im öffentlichen Diskurs. Niederlagen oder Krisen werden nicht mehr reflexartig an “Grüppchenbildung” oder mangelnden Einsatz der Spieler festgemacht,  der Blick geht zunehmend auf Konzepte und Strategien. Fußball wird zwar auch in Zukunft ein Spiel blieben, bei dem im Zweifel die besseren Spieler den entscheidenden Ausschlag geben, aber die Rolle der Software steht sehr viel stärker im Vordergrund. Insgesamt wird über die Bundesliga sehr analytischer berichtet.  

Bayern mit Kovac - ein Ausreißer

Ausgerechnet beim Branchenkrösus FC Bayern geht die Reise jedoch in eine andere Richtung. Niko Kovac gilt trotz Double im Vorjahr als “Experiment” (Sueddeutsche Zeitung) in München, da der Kroate weder in Vorstand noch in der Kabine die volle Rückendeckung genießt. Kovac kann wenig für das Zerwürfnis der Bosse und für den schwachen Sportdirektor an seiner Seite, an der uninspirierten Transferpolitik ist er größtenteils schuldlos. Andererseits konnte er mit seiner arg defensiven Ausrichtung in der Champions League und dem vom Team als limitiert empfundenen taktischen Input im offensiven Bereich bisher nur wenig Unterstützung in der Mannschaft gewonnen. Niko Kovac Bayern München Schafft es, Kovac aus den eigenen Fehlern zu lernen und den vielen Problemen zum Trotz eine auch international erfolgreiche Saison mit den Bayern zu bestreiten? Wenn er Pech hat, wird man taktische Fortschritte in erster Linie mit dem neuen Assistenztrainer Hansi Flick verbinden, den man sich im Übrigen sehr gut als  Interimstrainer vorstellen könnte. Selbst nach den bislang eher unbefriedigenden Bemühungen auf dem Transfermarkt geht der Rekordmeister mit der besten Startelf der Liga ins Rennen, dafür ist der Trainer gegen den allgemein Trend - was sein Standing angeht - deutlich schwächer als bei den meisten Konkurrenten. Die alles entscheidende Frage wird sein, ob man mit dieser Unwucht wie in der Vorsaison ein weiteres Mal durchkommt.  
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