Die Münchner überraschen vor dem Gipfel gegen Borussia Dortmund mit widersprüchlichen Aussagen zur Zielsetzung . Der verbale Schlingerkurs entspricht der mangelnden Konsequenz auf dem Rasen. Ein Sieg der Dortmunder würde die Bosse zwingen, die Probleme endlich konsequent anzugehen.   Vor dem richtungsweisenden Showdown gegen Borussia Dortmund am Samstagabend hält man sich im Lager des Rekordmeisters mit aggressiven  Tönen in Richtung des Tabellenführers merklich zurück. Das war schon mal anders. Bayern hat dieser Tage jedoch viel zu große Schwierigkeiten, eine stringente Haltung zum Titelkampf zu entwickeln, um die Schwarzgelben mit markigen Sprüchen zu provozieren. Thomas Müller Bayern München Tagtäglich scheint der öffentlich formulierte Anspruch zu wechseln. Während Uli Hoeneß Mitte Februar betonte, dass es für ihn auf die eine oder andere Meisterschale nicht ankomme und Niko Kovac am Mittwoch in der Sport-Bild mit gespielter Lässigkeit erklärte, eine Saison ohne Meisterschaft sei “kein Beinbruch”, forderte der Präsident sein Team am Donnerstag bestimmt auf, “zu liefern”; die Mannschaft müsse “mit einem Sieg gegen Dortmund zeigen, dass sie Meister werden will.” Auch das klang nicht ganz logisch, denn genau genommen ist das bei den Roten gemeinhin ja andersrum: die Siege speisen sich laut Vereinsmythos aus dem unabdingbaren Erfolgswillen des Vereins, nicht umgekehrt.  

Kovac betreibt verbales Catenaccio

Niko Kovac Bayern München Es passt zu dieser in vielerlei Bereichen suboptimalen Spielzeit, dass die Münchner selbst in der bayerischen Spezialdisziplin der Mentalitätsbeschwörung grobe Schwächen zeigen. Der spielerische Substanzverlust unter Kovac sowie handwerkliche Fehler in der Kaderplanung (Stichwort “Bernat!”) wurden von den Verantwortlichen so lange schöngeredet beziehungsweise ignoriert, dass man nicht mehr ganz sicher sein kann, ob das Ausmaß der Probleme in der Säbener Straße derzeit wirklich erkannt wird. Von dem zumindest in rhetorischer Hinsicht arg überforderten Sportdirektor Hasan Salihamidzic sind keine sachdienlichen Hinweise in Erinnerung geblieben. Kovac betreibt nach dem letztlich erschreckenden Aus gegen Liverpool in der Champions League unablässig Relativierung im Defensivmodus, in dem bereits angesprochenen, von seltsamen Aussagen durchzogenen Interview positionierte der 47-Jährige sich  unter anderem als verkannter “Taktiknerd” und Verwalter des Van-Gaalschen-Erbes. Bayerns Schwierigkeiten, Partien durchgehend zu kontrollieren, verortete er exklusiv im psychologischen Bereich. Wer das alles glaubt, hat die binnen fünf Jahren vom besten Kollektiv der Welt zu einer schnöden Ansammlung von vielen Einzelkönnern geschrumpfte Truppe in dieser Saison nicht spielen sehen.  

Ein Sieg der Münchner würde von den zahlreichen Defiziten ablenken

Die Münchner gegen Heidenheim Es ist keineswegs auszuschließen, dass sich die im nationalen Vergleich immer noch überlegen besetzten Münchner am Ende zu einem Double wurschteln, aber diese Art des Erfolges wäre Gift für den Klub. Bayern steht nicht zuletzt beständig soweit oben, weil der Verein aus schmerzhaften Niederlagen sehr oft sehr schonungslos die richtigen Schlüsse zog und gerade nach großen Enttäuschungen eine noch größere Kraft der Erneuerung entwickelte. Sollte Dortmund am Samstagabend gewinnen, würde erst einmal der ganze Laden in die Luft fliegen. Die Bosse wären aber so endlich gezwungen, sich ehrlich mit den zahlreichen inhaltlichen und personellen Problemen des derzeitigen Konstruktes auseinanderzusetzen. Fans des Rekordmeisters kann man nur wünschen, dass dieser selbstreinigende Prozess schon dieses Wochenende einsetzt und nicht erst in ein, zwei Jahren, wenn der FC Bayern mit bloßem “Weiter so” zusätzlich Boden auf die europäische Spitze verloren hat.  
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