Vier Punkte beträgt der Abstand zwischen Tabellenführer Borussia Dortmund und dem FC Bayern vor dem Duell am Samstagabend. Das ist an sich schon recht außergewöhnlich, denn zuletzt standen die Schwarzgelben in der Rückrunde 2011/12, als man mit Jürgen Klopp am Ende das Double feierte, tabellarisch besser als der Rekordmeister. Gefühlt sind die flinken Westfalen den ermattet wirkenden Münchnern aber noch viel weiter enteilt.  

Dortmund hat vor der Saison seine Probleme realistisch erkannt und behoben; von den Bayern lässt sich das nicht sagen

In beinahe sämtlichen Beziehungen gibt Dortmund derzeit ein besseres Bild ab. Die Vorstandsetage um Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat vor der Saison die eigenen Defizite erkannt und uneitel Verstärkung ins Boot geholt. Sebastian Kehl erfüllt die Rolle des Bindeglieds zwischen Kabine Chefetage mit Besonnenheit, im Hintergrund bringt der jahrelang an der Strobelallee geächtete Matthias Sommer sein Fachwissen ein und darf auch unbequeme Wahrheiten ansprechen. Bayern ist im Vergleich dazu eher mager besetzt. Insbesondere Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat bisher nicht den Eindruck gemacht, dass er in der Lage ist, das komplexe Anforderungsprofil des Postens auch nur annähernd zu erfüllen. Der Bosnier kann aufgrund seiner geringen Autorität in der Kabine weder Niko Kovac unterstützen noch als Knowhow-Korrektiv  zu den Granden auftreten. Die Nervosität, die den Verein schon seit Monaten umtreibt, speist sich aus der bösen Ahnung, dass es in dieser Konstellation schwierig sein wird, auf Dauer mit den besten Klubs in Europa mitzuhalten. Franck Ribery FC Bayern Muenchen Diese generelle Unstimmigkeit schlägt sich auch auf dem Rasen nieder. Bayern ist in dieser Saison eine Zwischenmannschaft, gefüllt mit Spielern, die ihren Leistungszenit entweder schon überschritten oder noch lange nicht erreicht haben. In seinem Bestreben, es beiden Parteien recht zu machen, hat Kovac nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen, eine spielerische Linie ist ebenfalls nicht zu erkennen. Favre rotiert zwar ebenfalls, besonders im offensiven Mittelfeld, doch die Grund-Strukturen und Prinzipien seines Spiels bleiben dabei stets offensichtlich. Der Schweizer hat zudem mit seinem detailversessenen Coaching fast sämtliche Spieler besser gemacht. Genau das lässt sich von Kovac nicht behaupten. Sein größter, weil einziger Erfolg, ist bisher die Rehabilitation von Renato Sanches.  

Die Abteilung Attacke gibt sich defensiv

Nico Kovac Bayern München Bayern gibt sich vor dem Ausflug ins Westfalenstadion ungewohnt kleinlaut. Hoeneß und Kovac betonten, dass man als Außenseiter in den deutschen “Klassiker” gehe. Mit dieser untypischen Tiefstapelei soll der Mannschaft der Druck genommen werden, vor allem will man sich damit aber auf die Möglichkeit einer Niederlage vorbereiten. Die Welt würde nicht untergehen, wenn der FC Bayern mal nicht Meister werden, so Hoeneß. Ob sich an der Säbener Straße diese Ansicht tatsächlich durchsetzt, muss sich freilich erst noch zeigen. Auf der anderen Seite betonte Zorc, dass man sich von der (angeblichen) Favoritenrolle nichts kaufen könne.  

Statistisch gesehen sind die Unterschiede zwischen beiden Teams nicht sehr groß. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit

Die Buchmacher sehen interessanterweise Bayerns Chancen auf einen Sieg deutlich besser als die der Heimmannschaft. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Münchner entgegen der allgemeinen Wahrnehmung besser als die Borussen verteidigen und im Sturm aus dem laufenden Spiel heraus fast exakt dieselbe Menge von hochkarätigen Chancen herausgespielt hat. Der xG-Wert (Expected Goals) liegt bei beiden bei knapp 15 Toren in der Bundesliga. (siehe understat.com) Jaden Sancho Borussia Dortmund Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Wie alle Favre-Mannschaften steht Dortmund deutlich besser da, als es ihr xG annehmen ließe. Das Team brauchte für 23 Tore aus dem Spiel heraus nur 90 Schüsse, da die Spieler auf Anweisung von Favre nur dann schießen, wenn sie in zentralen Positionen und mit geringem Gegnerdruck zum Abschluss kommen. Letzteres wird von herkömmlichen xG-Messungen nicht berücksichtigt. Bayern brauchte im Vergleich dazu für 14 Tore 132 Schüsse. Ähnlich wie die Nationalmannschaft bei der WM kommt man mit der langsameren Spielweise zu vielen Chancen, die jedoch im Durchschnitt nicht sehr hochkarätig sind. BetVictors Gewinnquote von für Dortmund wirkt vor diesem Hintergrund äußerst großzügig.  
Quoten unterliegen Änderungen.

An der Diskussion teilnehmen