Niko Kovac wird neuer Bayern-Coach, ermittelten am Donnerstagabend Sport-Bild, Bild und später auch der Kicker. Dass die Wahl auf den ehemaligen Bayern-Mittelfeldspieler und Eintracht-Frankfurt-Übungsleiter fallen würde, hatte sich nach Thomas Tuchels Einigung mit Paris St. Germain Ende März bereits angedeutet, war aber von Kovac und Eintracht-Sportdirektor Fredi Bobic zuletzt spitzfindig geleugnet worden. “Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass ich im nächsten Jahr hier nicht Trainer bin. Punkt”, hatte Kovac, 46, noch vor neun Tagen gesagt. Einen Grund zum Zweifeln gab es zu dem Zeitpunkt wohl tatsächlich nicht mehr. Weil die Entscheidung bereits gefallen war.  

Finden und salben

Kovac Bei den Hessen wird offiziell zwar noch abgewiegelt (“zu mir sind keine Infos geflossen”, sagte Bobic am Donnerstagabend der Bild,) Fans des Rekordmeisters können nun aber erst einmal froh sein, dass “Trainersuche”, das bayerische Unwort des Jahres, nicht länger tagtäglich durch alle Kanäle wabert. Ein FC Bayern sucht nicht. Er findet und salbt. Und Karl-Heinz Rummenigge kommt aufgrund der Nachrichtenlage praktischerweise auch nicht mehr in Verlegenheit, “bis Ende April” mit der offiziellen Verkündung des neuen Mannes auf der Bank zu warten. Die nach dem 6:0 gegen Dortmund selbst gesetzte Deadline des Vorstandsvorsitzenden wäre nämlich exakt zwischen den beiden Champions-League-Halbfinalspielen und rund um das Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt (28.4.) abgelaufen. Das wird nun vorher geregelt. Wahrscheinlich schon dieses Wochenende.  

Neu- und Weiterentwicklungen

Ob Kovac nach fünfundzwanzig sehr erfolgreichen Monaten bei den Hessen heute schon das Format hat, die komplizierte Bayern-Mannschaft zu leiten, muss sich zeigen. Die Münchner sind jedenfalls so stark besetzt, dass es auch im kommenden Jahr sehr schwer sein dürfte, die Meisterschaft nicht zu gewinnen. Um auch nach dem Abschied von Wundertäter Jupp Heynckes in der Champions League bestehen zu können, muss Kovacs allerdings die dringend benötigte Neu- und Weiterentwicklung der bayerischen Spielweise vorantreiben. Man darf gespannt sein, wie das aussehen wird. Eintrachts eindrucksvoller Kraftfußball wird nicht nicht eins zu eins in die Allianz Arena übertragbar sein. Angesichts der fußballerischen Qualitäten des Kaders wäre das auch eher unpassend.  

Die Brüder und die große Familie

Kovac soll nach Informationen des Kicker seinen Bruder Robert als Assistenztrainer mitbringen, dazu soll Heynckes’ Co-Trainer Peter Hermann bleiben. Als Ex-Bayern-Mann (34 Bundesliga-Spiele für die Roten 2001-2003) bringt Kovac Erfahrung im Umgang mit den Vereins-Bossen Rummenigge und Uli Hoeneß mit, zudem gilt er als enger Vertrauter von Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Die Personalie passte, genau wie die Verlängerung der Verträge mit den verdienten Flügelstürmer-Veteranen Arjen Robben und Franck Ribéry bis 2019, sehr gut in das von Hoeneß bemühte Bild vom FC Bayern als “große Familie”; sehr viel besser als der zunächst (vor all allem von Rummenigge) favorisierte Tuchel, zum Beispiel. Nach einer Phase der internationalen Star-Trainer (Pep Guardiola, Carlo Ancelotti) setzen die Münchner wieder auf Männer aus den eigenen Reihen. Kovac Obwohl seit Ottmar Hitzfeld (1998 bis 2004) kein Bayern-Trainer mehr als drei Jahre am Stück im Amt verblieb, steht das Duo Salihamidzic-Kovac auch für den Versuch der Oberen, mittelfristig ein Stück weit Macht an eine jüngere Bayern-Generation abzugeben. Eine Einbindung von weiteren Ex-FCB-Größen wäre vor allem der Wunsch von Hoeneß. Diese Strategie jedoch - wie immer bei den Bayern – ist abhängig vom Erfolg. Sollte Kovac gerade in Europa die Erwartungen nicht erfüllen, wird die Sehnsucht nach einer hochdekorierten Koryphäe aus dem Ausland sehr schnell wieder wachsen.
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