Neuer 96-Trainer soll Klassenerhalt sichern. Hannover im ersten Spiel nach Breitenreiter gegen Leipzig. Doll hat „sehr positives Gefühl“.   Feuerwehrmänner haben im Fußball eine lange Tradition. Früher hießen sie Neururer oder Berger, heute gibt es nicht mehr viele von ihnen, doch Hannover 96, dem Tabellenvorletzten der Bundesliga, ist es gelungen, einen der letzten Übungsleiter dieser Art aus der Beinahe-Vergessenheit zu befreien. Der Name dieses Einsatzleiters: Thomas Doll, inzwischen 52 Jahre alt. Früher, als Spieler, galt Doll als eines der größten Talente der untergehenden DDR, er gehörte zu jenen Ost-Fußballern, die Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990 zu jener unvergessenen Aussage motivierte, das vereinigte Deutschland werde nun „auf Jahre hinaus“ unschlagbar sein. Das stimmte nicht ganz, aber zumindest Thomas Doll machte dann doch Karriere. Er spielte für den HSV, Lazio Rom, Eintracht Frankfurt, AS Bari, machte 18 Länderspiele für die BRD und hörte 2001 auf. Doll wurde Trainer, 2004 übernahm er mit dem HSV seine erste Bundesliga-Mannschaft. Das ging sogar ziemlich gut, 2006 wurde der HSV Dritter, was man sich heute nur sehr schwer vorstellen kann. 2007 musste Doll trotzdem gehen, kurz darauf heuerte er beim arg strauchelnden BVB an, ein Jahr später bot er dem Klub seinen Rücktritt an, um einem gewissen Jürgen Klopp Platz zu machen.  

Kaltstart für Thomas Doll

Seitdem sind elf Jahre vergangen. Elf Jahre, in denen Jürgen Klopp Dortmund zum Meister und fast zum Champions-League-Sieger machte, zu einem der begehrtesten Trainer der Welt aufstieg und einen Vertrag beim FC Liverpool bekam (die er aktuell mit großen Schritten in Richtung Meisterschaft führt). Doll aber geriet etwas in Vergessenheit. Er arbeitete für Gençlerbirliği Ankara, Al-Hilal und zuletzt von 2013 bis 2018 recht erfolgreich für Ferencváros Budapest. Trainer mit einer solchen Vita erwartet man im Jahr 2019 eigentlich nicht mehr als Bundesliga-Coach, doch bei Hannover 96 haben sie sich nun getraut. Vielleicht wollte auch sonst niemand den Job haben. Denn Dolls Aufgabe ist, vorsichtig ausgedrückt, recht schwer zu bewerkstelligen: er soll per Kaltstart eine völlig verunsicherte Mannschaft zum Klassenerhalt führen, die zuletzt mit 5:1 von Borussia Dortmund überrollt wurde. Die Möglichkeit den neuen Mann seine neuen Spieler kennenlernen zu lassen und vielleicht ein paar personelle Umstellungen vorzunehmen, wurde vertan, als sich die Vereinsführung dazu entschied, mit André Breitenreiter in die Rückrunde zu starten. Thomas Doll Aber vielleicht liegt genau darin der Reiz für Feuerwehrmann Doll. Gelingt es ihm, den Steppenbrand in Hannover zu löschen, ist er wieder wer im Bundesliga-Geschäft. Steigt 96 ab, dann würde das – Stand jetzt – auch niemanden wundern, der sich auch nur ein bisschen mit dem deutschen Profifußball beschäftigt. Denn ganz offensichtlich fehlt Hannover in dieser Saison die Klasse eben jene zu halten. Dolls einzige Chance liegt darin, einen neuen Spirit zu entfachen, damit sich die Mannschaft irgendwie an den eigenen Haaren aus dem Abstiegssumpf zieht. Ob das allerdings gleich in Dolls erstem Spiel gelingt? Gegner RB Leipzig ist derzeit Vierter (34 Punkte) und kann sich keine Niederlage erlauben, will man den Anschluss zu Borussia Mönchengladbach (39 Punkte) und den Bayern (42 Punkte) nicht komplett verlieren.  

„Den Impuls setzen, dass die Mannschaft wieder an sich glaubt“

Doch weil die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, setzten sie in Hannover darauf, dass Startexperte Doll (sowohl beim HSV, als beim BVB gelangen ihm in den ersten drei Spielen drei Siege) seinen Enthusiasmus („Ich habe ein sehr positives Gefühl!“) auf die matten Kicker überträgt. „Es war eine bewusste Überlegung, mit Doll einen anderen Typus als Breitenreiter zu wählen“, hat Klubchef Kind erklärt, „der Wechsel soll den Impuls setzen, dass die Mannschaft wieder an sich selber glaubt und über Geschlossenheit zum Erfolg kommt.“ Und Doll? Der sprach bei seiner Vorstellung warme Worte: „Ich denke, dass die Mannschaft genug Qualität hat, da unten rauszukommen. Für mich ist das überhaupt kein Problem.“ Bedingungsloser Optimismus – für einen Feuerwehrmann eine sicherlich sehr wertvolle Qualität. Borussia Dortmund vs. Hannover 96 - Bundesliga Weniger optimistisch geben sich die Buchmacher. Ein Sieg der Hannoveraner Gastgeber am Freitag-Abend (Anstoß: 20:30 Uhr) würde bringen, der zu erwartende Auswärtssieg der Leipziger . Mein Tipp: Thomas Doll gelingt zum Auftakt zumindest ein Unentschieden , bei dem beide Teams in 90 Minuten mindestens ein Tor erzielen . Zum entscheidenden Mann für Hannover wird Stürmer Hendrik Weydandt, dem in beiden Halbzeiten jeweils ein Tor gelingt .  
Quoten unterliegen Änderungen.

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