Hertha BSC gegen VfL Wolfsburg als Spitzenspiel des dritten Spieltags? Das war nicht unbedingt zu erwarten. Zumindest nicht in der ersten Liga. Wölfe-Trainer Bruno Labbadia, der zuletzt vor zehn Jahren mit Bayer 04 Leverkusen in ähnlichen Tabellengefilden verweilte - die Werkself lag in der Winterpause 2008/09 nur drei Punkte hinter dem Tabellenersten Hoffenheim - ist dementsprechend glücklich. “Es fühlt sich gut an, es macht Spaß”, sagte der 52-Jährige vor dem Trip in die Hauptstadt. “Wir strahlen Freude aus.” Sechs Punkte nach zwei Partien entwickeln bei den Niedersachsen genau wie auch beim Gegner einiges an Strahlkraft. VfL-Sportchef Jörg Schmadtke verwahrte sich zwar in seiner typisch sympathisch-schnoddrigen Art gegen Fragen nach der möglichen Auferstehung des Pokalsiegers und Champions-League-Teilnehmers von 2015 (“Bitte nicht!”), doch der gute Start hat den Klub immerhin wieder an das Potenzial erinnert, das in ihm schlummert.  

Feuerwehrmann Labbadia

Hertha Labbadia, der in der öffentlichen Berichterstattung ein wenig zu sehr auf das Image des Feuerwehrmanns reduziert wird, hat es den ersten Eindrücken nach geschafft, mannschaftliche Geschlossenheit auf den Platz zu bringen. Wolfsburg verfügt über einen grundsoliden Kader, in dem Max Arnold an guten Tag herausragt und der neue niederländische Stürmer Wout Weghorst  abgesehen von einer Unbeherrschtheit gegen Schalke 04 das Zeug für mehr zu haben scheint. Für wieviel das genau am Ende reicht, lässt sich schwer vorhersagen, da Wolfsburg schon jetzt eher am oberen Ende seiner Möglichkeiten spielt und einige der auf dem Papier klar überlegenen Klubs wie Bayer 04 Leverkusen, Schalke und selbst Borussia Dortmund noch nicht annähernd in Bestform auftreten. Der Platz im gesunden, vielleicht sogar einstelligen Mittelfeld, den Schmadtke offiziell anstrebt, ist ein realistischeres Ziel als die Europa League.  

Die Jungspieler überraschen

Das lässt sich so ähnlich auch über die Hertha sagen. Pal Dardais defensivstarkes, aber fußballerisch ziemlich untertouriges Team bot in der Vorsaison wenig erbauliche Vorstellungen, zeigte sich aber in den ersten Partien auffallend frisch und dynamisch. Den Sturm und Drang haben vor allem die etwas überraschend in die Stammelf beförderten Jungspieler zu verantworten. Javairo Dilrosun, ein 20-Jähriger Niederländer, der von Manchester City kam, U21-Nationalspieler Jordan Torunarigha in der Innenverteidigung, Valentino Lazaro (22, Österreich) Rechtsaußen und die gegen Wolfsburg verletzt fehlende Vielzweckwaffe Maximilian Mittelstädt (21) hatten maßgeblichen Anteil daran, dass die Berliner noch ohne Gegentor sind. Hinter den Altmeistern im Sturm, Vedad Ibisevic und Salomon Kalou, ist endlich wieder Leben in der Truppe. Außerdem hat die Hertha ja noch einen Weltmeister… schaftsteilnehmer, Marvin Plattenhardt. “Platte” ist nach überstandener Verletzung wieder mit von der Partie; auch wenn Dardai das System auf eine Viererkette umstellen sollte. Hertha Was soll man von dieser Hertha halten? Falls es dem Ungarn gelingt, die typische Kompaktheit mit einen Schuss Elan in der Offensive zu verbinden, könnte die Mannschaft eine Spur besser als den zehnten Platz in der Vorsaison abschneiden. Das Erreichen der Europa League wird auf Grund der geringen Kadertiefe im offensiven Mittelfeld sehr schwer werden, dieses Problem hat man mit den Gästen am Samstag gemein. Weder die Hertha noch der VfL werden bis zur Winterpause so weit oben stehen, aber das ist zur allgemeinen Zufriedenheit auch gar nicht nötig. Eine Saison des gehobenen Mittelmaßes wäre für beide ja schon ein Erfolg, und der neutrale Zuschauer darf sich über den doppelten Mini-Aufschwung ebenfalls freuen. Man kann beiden Teams nun wieder zuschauen, auch wenn man kein Freund des Horror-Genres ist.  
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