Live-Quoten checken

Nach dem Abschied des Präsidenten wird der Rekordmeister einige Alleinstellungsmerkmale verlieren Der FC Bayern wird unter Karl-Heinz Rummenigge kühler, aber vielleicht auch klarer in seinen Entscheidungen werden Oliver Kahn kommt als Chef in spe in Aufgabe zu, die zukünftige Orientierung zu definieren.

Uli Hoeneß war am Freitagmittag anzumerken, dass er mit sich und seiner Entscheidung, im November nicht mehr als Präsident anzutreten, vollends im Reinen war. Dem Bauchmensch  wird es in den nächsten Wochen und Monaten ganz sicher besser gehen. Ob das auch für den Verein gilt, wird sich dagegen erst noch zeigen.

Ohne den gebürtigen Ulmer als Patriarch dürfte der FC Bayern jedenfalls noch stärker zum gewöhnlichen Fußballkonzern werden. Das muss, wie sich anhand der vielen guten Entscheidungen während Hoeneß’ Gefängnisaufenthalt zeigte, zunächst einmal kein Nachteil sein. Der besonders vom Präsidenten forcierte Wunsch, größere Fragen in erster Linie “in-house” zu lösen, hatte sich zuletzt als recht problematisch erwiesen. Trainer Niko Kovac und Sportdirektor Hasan Salihamidzic verfügen zwar fraglos über den passenden Stallgeruch – aber nicht zwangsläufig über das Format, einen Klub mit Anspruch auf europäische Erfolge sportlich angemessen zu führen. Ein bisschen mehr Objektivität in der Bewertung der wichtigsten Kräfte  – und des einen oder anderen Mitarbeiters in Reihe zwei oder drei  – kann dem Verein in Zukunft definitiv nicht schaden. Gleichzeitig wird Hoeneß’ Empathie aber auch zweifelsohne fehlen. Schwer zu sozialisierende Stars wie Franck Ribéry wurden nur auf Grund der ihnen vom Vereinsboss höchstpersönlich entgegen gebrachten Liebe dauerhaft in München glücklich. Hoeneß lebte als Oberhaupt den Familiengedanken tagtäglich vor und schärfte so den Sinn für Zusammenhalt und das Allgemeinwohl. Die Wirkung des weichen Faktors “Nestwärme” lässt sich zwar nicht bemessen, doch dass der FC Bayern von ihm profitierte, mag niemand in Abrede stellen. Hoeneß verstand es oft genug, Spielern, die anderswo mehr oder zumindest ebenso viel verdienen konnten, mit der Aussicht auf Geborgenheit für die rot-weiße Sache zu begeistern. Von Karl-Heinz Rummenigge, dem entschieden rational denkenden Vorstandschef, ist eine ähnliche emotionale Tiefe im Umgang mit Mannschaft  – und den Fans – eher nicht zu erwarten. Dem Klub als Ganzen wird es schwerer fallen, den in dieser Prägung einzigartigen Spagat zwischen Laptop und Lederhose zu bewerkstelligen. Mittelfristig ist allerdings entscheidend, dass der von Hoeneß und Rummenigge relativ unverhohlen ausgetragene Richtungsstreit um die Besetzung der Spitzenpositionen bald einer stringenteren Politik weicht. Trainer und Sportdirektoren, die nicht von der kompletten Führungsetage mitgetragen werden, können bei einem Elite-Klub nicht nachdrücklich reüssieren. Oliver Kahn, der ab Januar in die Ausbildung als zukünftiger Boss geht, wird sich bald entscheiden müssen, welche Linie der FC Bayern unter ihm verfolgen will. Und vor allem: mit wem.

Quoten unterliegen Änderungen.

An der Diskussion teilnehmen