Der FC Bayern braucht eventuell einen neuen Taktikplan Hitzfeld und Lewandowski fordern weitere Qualitäts-Transfers Sind die Münchner zu abhängig von Thiago?

Vielleicht hat mancher schon in der Fußball-Spielordnung nachgeschaut mit wie vielen Spielern eine Mannschaft spielen muss, damit angepfiffen wird und sie eine Mannschaft ist. Sieben sind es, inklusive Torwart. Im Zusammenhang mit dem FC Bayern München ist diese Information angesichts der vielen Diskussionen um den „zu kleinen Kader“ besonders wichtig. Dieser Ansicht sind ja nicht nur einige der Bayern-Anhänger, sondern aktuelle Spieler, der Trainer so darf man vermuten – und ehemalige Coaches und Kicker. Eigentlich alle. Die Verletzung ihres großen Transfer-Wunsches hat die Lage weiter eingetrübt. Was also wird aus den Bayern, die bisher nur drei Neue verpflichtet haben? Sie werden viel miteinander sprechen müssen, die FCB-Kaderplaner des FC Bayern. Die Nachricht von Sanés angerissenem Kreuzband und der mehrmonatigen Pause sind das, was man einen Wirkungstreffer nennt. Sane wird weder zur ersten DFB-Pokalrunde am Montag gegen Energie Cottbus die Bayern besser machen noch zum Saisonauftakt am 16. August gegen Hertha BSC. Ob die Bayern den Nationalspieler trotz seiner Verletzung doch kaufen und rund 150 bis 200 Millionen Euro investieren, wie es Lothar Matthäus vermutet, ist dabei aber gar nicht die entscheidende Frage.

Zu klein für einen Titel?

Nicht nur Robert Lewandowski fordert weitere Zugänge mit Qualität, weil der Flügelstürmer von Manchester City alleine nicht ausreicht, um den Umbruch im Kader zu vollenden und die Lücken zu füllen. Wie der polnische Stürmer ist Ex-Bayern Trainer Ottmar Hitzfeld überzeugt, nur mit weiteren Einkäufen (nach Benjamin Pavard, Fiete Arp und Lucas Hernández), können die Münchner ihren Ansprüchen gerecht werden. Sie werden wohl recht haben. Nachdem feststeht, dass Sane nicht der sein kann, der sofort hilft, geht es um viel mehr: Eine mögliche Taktik-Änderung, womöglich um einen neuen Versuch, Thomas Müller, zumindest zeitweise, als Flügelspieler zu etablieren (was der nicht sehr spannend finden dürfte), Ersatz für Thiago auf der Sechs zu verpflichten und einen weiteren Stürmer als Backup für Lewandowski zu holen.

Zu große Lücken im 4-3-3

Mit dem von Trainer Niko Kovac favorisierten 4-3-3 System bieten die Münchner gut sortierten Gegnern zu viele Lücken, wenn Thiago vor der Abwehr alleine die Räume abdecken muss, während sich die zwei Achter eher nach vorne orientieren und die drei offensiven Spieler nicht synchron ins Gegenpressing gehen. Das hat die Niederlage im Supercup-Finale Anfang August gegen Borussia Dortmund gezeigt. Schon im Herbst 2018 musste Kovac wegen einer Ergebniskrise zum bewährten 4-2-3-1 zurückkehren, mit dem die Bayern 2013 die Champions League gewannen. Beim Achtelfinal-Aus gegen Jürgen Klopp‘ Liverpool in der Champions League zeigte sich Bayerns Abhängigkeit von Thiago. Wird der Spanier neutralisiert, fehlt es dem FC Bayern an Kreativität. Was also passiert, wenn sich Thiago verletzt und Serge Gnabry und Kingsley Coman auf den Flügeln als Nachfolger von Franck Ribery und Arjen Robben nicht ausreichen? Ein neuer Sechser (Marco Roca/21/Espanyol Barcelona) scheint ebenso nötig wie weitere Alternativen am Flügel (Hakim Ziyech/26/Ajax Amsterdam – Steven Bergwijn/21/PSV Eindhoven und Timo Werner/23/RB Leipzig).

Neue Systems und Müller als Flügel-Aushilfe

Nach dem Rückschlag in der causa Sané muss Kovac auch über neue taktische Systeme nachdenken. In Frage kommen könnte ein 3-5-2 mit zwei Stürmern, was die Flügel entlasten würde oder eine Raute im Mittelfeld. Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat die Warnungen einiger Spieler (Leon Goretzka) und seines Trainers wegen des zu kleinen Kaders sicher vernommen. Nicht umsonst rät Hitzfeld dem Verein, viel Geld in die Hand zu nehmen, um die Lücken zu füllen und eine lange Saison mit 60 bis 70 Spielen zu überstehen. Die nationale Konkurrenz aus Dortmund hat aus der vergangenen Saison gelernt, dass sie ihren Kader breiter und taktisch flexibler aufstellen muss. Den Bayern bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, dem Beispiel zu folgen.

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