Es gab vermutlich schon geheimere “GEHEIMTREFFEN!!!” als Robert Lewandowskis tête-à-tête mit Pini Zahavi am Mittwochabend in München. Das japanische Restaurant Izakaya im Roomers Hotel, das muss man wissen, ist zusammen mit Matsuhisa (Mandarin Oriental) Ground Zero für Bayern-Spieler. Es ist mit anderen Worten ungewöhnlicher, dort unter der Woche an spielfreien Tagen keinen Münchner Kicker anzutreffen. Lewandowski, so darf man die Wahl der Lokalität wohl beurteilen, hatte nicht das geringste Problem, mit seinem Berater in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. Wahrscheinlich wollte er das sogar. Sushi mit Symbolkraft: Ein Wechsel im Sommer bleibt weiterhin ein Thema für ihn, sprach es aus den Paparazzi-Bildern. Nach vier Spielzeiten an der Isar scheint es den Polen noch einmal woanders hin zu ziehen, zudem ist ein wenig Eile geboten. Der fast 30-jährige Mittelstürmer nicht mehr viele Gelegenheiten bekommen, bei einem ausländischen Spitzenklub zu landen. Sein Gehaltsniveau und eine theoretische Transfersumme im dreistelligen Millionenbereich machen eine Luftveränderung Jahr für Jahr für schwieriger. Lewandowski Vor dem DFB-Pokal-Endspiel gegen Eintracht Frankfurt am Samstag wird sich Lewandowski vielleicht ein wenig wehmütig an das Finale von 2012 zurück erinnern. Damals schoss er beim fabelhaften 5:2-Sieg von Borussia Dortmund über seinen jetzigen Arbeitgeber einen Hattrick für die Elf von Jürgen Klopp; auf der Tribüne im Berliner Olympiastadion saß Manchester-United-Trainer Alex Ferguson und leckte sich die Lippen. Der Schotte reise zur eigenen Überraschung aber nur mit Shinji Kagawa im Gepäck wieder auf die Insel zurück. Der BVB ließ den Stürmer nicht ziehen. Er durfte erst 2014 nach Ablauf seines Vertrages die Reise zum Rekordmeister antreten. Zwischendurch hätte ihn beinahe noch Real Madrid abgeworben. Die Spanier taten im Dezember 2013 alles, um ihn umzustimmen. Doch sein Entschluss, nach München zu wechseln, stand fest. Während die Königlichen in einer Woche den dritten Europapokal in Folge gewinnen können, ist Lewandowskis Wunsch, die Champions League zu gewinnen und zugleich Spieler des Jahres zu werden, zwischenzeitlich nicht in Erfüllung gegangen. Bayern wird 2018/19 nicht als Favorit in die Königsklasse  einsteigen, ohne den Pokal in der Hand hat Lewandowski jedoch keine realistische Chance auf den Goldenen Ball. 30 Tore in der Bundesliga alleine reichen nicht, um diese internationale Anerkennung zu erfahren. Selbst 40 würden dies nicht tun. Für den extrem ehrgeizigen Torjäger spielt dieses Dilemma höchstwahrscheinlich eine weitaus größere Rolle für seine Wechselmotivation als die Aussicht auf eine überschaubare Gehaltserhöhung. Es geht ausnahmsweise mal nicht um Geld. Die Frage ist allerdings, wer ihn kaufen könnte. Real Madrid hält sich vor der WM traditionell bedeckt. Die Spanier haben stets den Anspruch, nach großen Turnieren die größten Stars zu verpflichten. Das könnte zum Beispiel der Belgier Eden Hazard sein, der als Flügelspieler oder hängende Spitze auf dem Papier besser zum mittlerweile als Mittelstürmer agierenden Cristiano Ronaldo passen würde, als Lewandowski. Ein Wechsel Neymars ins Bernabéu steht ebenfalls weiter im Raum. Lewandowski Es ist bestimmt kein Zufall, dass aus dem Umfeld von Zahavi in den vergangenen Tagen öfters der Name Chelsea fällt. Die Blues hätten aktuell Bedarf für ein Upgrade von Alvaro Morata in der Offensivzentrale. Zahavi hat beste Kontakte zu Besitzer Roman Abramowitsch, der nach der verpassten Champions-League-Qualifikation unter Druck steht, den Kader zu verstärken. Finanziell und sportlich kann sich Lewandowski an der Themse aber kaum verbessern. Chelsea zahlt nicht mehr die ganz großen Summen und hat keine realistische Aussicht, auf absehbare Zeit die Premier League oder gar die Champions League zu gewinnen. Selbst wenn Zahavi einen passenden Interessenten auftun würde, wird Bayern ihn schwerlich ziehen lassen. Die Münchner waren zwar von seinen seltsam unwuchtigen Auftritten gegen Ende der Spielzeit nicht gerade angetan. Daraus die Bereitschaft abzuleiten, ihn abzugeben, wäre allerdings eine Fehleinschätzung. Spieler, die das Schwierigste und Wichtigste im Fußball beherrschen - das Toreschießen - wird kein Spitzenverein verkaufen. Bayern hat sich seit dem Abschied von Michael Ballack vor zwölf Jahren international zudem den Ruf erarbeitet, allen Avancen für wichtige Akteure zu widerstehen. (Die einzige Ausnahme war Toni Kroos. Der Mittelfeldspieler hatte sich 2014 geweigert einen Vertrag zu unterschreiben, der nicht seinen Vorstellungen entsprach. Bayern beschloss, ihn zu transferieren. Diesen katastrophalen Fehler würde man an der Säbener Straße nicht noch einmal machen.) So wie es aussieht, dürfte Lewandowski dem bayerisch-goldenen Käfig also eher nicht entkommen. Im Izakaya wird man sich sehr darüber freuen.  
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