Leipzig gegen Bayern wird die Meisterschaft nicht entscheiden, aber das Klima in München bestimmen  Für RB sind Siege gegen “normale” Gegner wichtiger  Nagelsmann und Werner sind die entscheidenden Personalien    In der Statistik unterscheidet man zwischen Signal und Rauschen, der belastbaren Information und letztlich unerheblichen Störgeräuschen. Eine “Signalwirkung” im engeren Sinne sollte man sich deshalb von dem Treffen zwischen Tabellenführer RB Leipzig und dem FC Bayern besser nicht versprechen: die faktisch relevante Erkenntnis in Sachen Titelrennen geht am Samstag nicht über die Verteilung der drei (oder zwei) Punkte hinaus. Klar: rein symbolisch würde den Sachsen ein Sieg gewiss nicht schaden. Alle nicht-bayerischen Meistermannschaften in der Bundesliga seit 2002  - VfB Stuttgart, Werder Bremen, VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund - schlugen auf dem Weg zum Ruhm mindestens einmal die Münchner Platzhirschen und bestätigten sich damit selbst ihre eigenen Ambitionen. Korrelation entspricht jedoch nicht Kausalität. Hertha BSC, 2:0-Sieger gegen den FCB im Olympiastadion vor zwölf Monaten, schloss die abgelaufene Saison bekanntlich ebensowenig auf dem ersten Tabellenplatz ab wie die Borussia aus Dortmund, der nach einem gefühlt wegweisenden 3:2 im Spitzenspiel im November gegen die Elf von Niko Kovac in der Rückrunde Kraft und Konzentration abhanden kamen.  

Leipzigs Saison hängt nicht am Gipfeltreffen

RB-Trainer Julian Nagelsmann weiß um die beschränkte Aussagekraft des Vergleichs mit dem Klassenbesten. “Erfolgreiche Spiele gegen Bayern können dich schon ein Stück weit tragen”, sagte der 32-Jährige. “Aber du musst im Sport jede Woche deine Leistung bestätigen. Wenn wir gegen Bayern gewinnen und danach alles verlieren, können wir uns dafür nichts kaufen.” Die Titelfähigkeit der Rasenballer kann sich, mit anderen Worten, erst im Verlaufe einer schwierigen, von der Doppelbelastung durch die Champions League geprägten Spielzeit zeigen. Wichtiger als ein einzelner, begeisternder Triumph gegen das rote Überteam ist die wöchentliche Konstanz, wenn gewöhnlichere Kontrahenten auf dem Platz stehen. RB Leipzig Auch für die gewohnt vollmundigen Gäste (“wir wollen nach dem Spieltag auf Platz eins stehen” , so Kovac) entscheidet sich dieses Wochenende noch nichts. Bayern wäre locker in der Lage, eine Niederlage wieder wettzumachen, das hat die Vorsaison unter Beweis gestellt, Dennoch hat der Ausflug in den Osten das Zeug, im Falle eines unbefriedigenden Ergebnisses jede Menge unangenehme Fragen aufzuwerfen. Zum einen würde der gerade erst etwas stabiler im Amt wirkende Trainer pünktlich zu Beginn der Champions-League-Saison erneut unter Beschuss kommen. Kovac hat auf die Kritik aus der Mannschaft im Vorjahr reagiert und lässt in Verbund mit Assistent Hansi Flick endlich verstärkt Lösungen in der Offensive trainieren, doch die Tauglichkeit seines Konzeptes auf internationaler Bühne muss der Kroate erst noch belegen. Da Bayern den Leipzigern in Sachen Kaderqualität recht deutlich überlegen ist, würde man einen Misserfolg automatisch an Defiziten in der Detailplanung und/oder dem taktischen Kollektivverhalten festmachen.  

Werner und Nagelsmann hätten auch für Bayern tätig sein können

Julian Nagelsmann Dass Nagelsmann auf der gegnerischen Bank sitzt, vergrößert derweil die Fallhöhe für den ehemaligen Eintracht-Coach. Deutschlands am heißesten gehandelten Trainertalent wurde von Uli Hoeneß im Vorfeld die Reife für das Allianz-Arena-Amt abgesprochen (“muss noch älter werden”), aber diese Sicht der Dinge könnte sich schnell ändern, zu Kovacs Ungunsten. Dazu kommt die noch brisantere Personalie Timo Werner. Der Nationalstürmer war sich schon lange mit Bayern einig, musste jedoch diesen Sommer enttäuscht feststellen, dass an der Säbener Strasse keine ernsthaften Anstalten gemacht wurde, ihn zu verpflichteten. Im Bayern-Vorstand, so hört man, waren nicht alle glücklich mit dieser Vorgehensweise. Werner, der seinen Vertrag in Leipzig verlängerte, könnte mit ein, zwei Toren dem Meister nicht nur auf dem Rasen weh tun, sondern interne Machtrangeleien neu aufbrechen lassen. Was das Abschneiden im Kampf um die Schale angeht, wird das Duell in der Red-Bull-Arena zwar keine verbindlichen Zeichen oder gar Vorzeichen abwerfen. Aber rauschen würde es in München ganz sicher im Falle einer Blamage. Und zwar gehörig.  
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