Die Elf von Dieter Hecking spielt eine überragende Saison und steht unverblümt auf Platz zwei der Tabelle.  Der Trainer hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, profitiert aber auch extrem von den Neuzugängen.  Kann diese Borussia am Ende sogar Meister werden?    Wäre es allmählich an der Zeit, Borussia Mönchengladbach als Titelkandidat ernst zu nehmen? Aktuell stellt sich die Frage zwar nur bedingt - die andere Borussia aus Dortmund erscheint mit sieben Punkten Vorsprung zu konstant  - aber die Fohlenelf hätte vielleicht auch unabhängig davon ein bisschen mehr Bewunderung verdient. Platz zwei nach 14 Spieltagen deutet ja auf eine historisch gute Saison hin. So weit oben in der Tabelle stand Gladbach am Ende der Spielzeit zuletzt vor 41 Jahren.  

Vor Beginn der Saison gab es wenig Anlass zu Optimismus

Anders als in den goldenen Siebziger Jahren unter Hennes Weisweiler und Udo Lattek kommt der akute Erfolg höchst überraschend. Nach Platz neun in der Vorsaison hatte recht wenig auf solch eine markante Verbesserung hingedeutet; bezeichnenderweise ging Dieter Hecking im Sommer als halbe lame duck an den Start. Sein Vertrag war nur noch bis Juni 2019 befristet, da sich im Borussia-Vorstand nicht alle grundsätzlich von der Arbeit des 54-Jährigen überzeugt zeigten. Erst Mitte November verlängerte der Klub vom Niederrhein mit ihm, allerdings nur um ein Jahr, bis 2020. TSG 1899 Hoffenheim vs. Borussia Moenchengladbach - Bundesliga Hecking, der in Abgrenzung an jüngere Kollegen gerne mit einer etwas altmodischen Attitüde kokettiert - „Ich finde Taktik wirklich wichtig, aber man darf keine Geheimwissenschaft daraus machen”, sagte er der Süddeutschen Zeitung - ist kein Trainer, dessen Handschrift jederzeit auf dem Feld abzulesen ist. Er richtet sein Spiel eher nach den Fähigkeiten der eigenen Spieler und den Stärken des Gegners aus. Wenn Leistungsträger schwächeln oder verletzt fehlen, wirkt sich das  dementsprechend drastisch aus, da ein übergreifendes Konzept fehlt. „Das ist auch nicht nur Kopfsache, es ist so viel mehr: Es geht auch um Technik, Taktik und die Physis” fasste Matthias Ginter in der katastrophalen Rückrunde 2017/18 Gladbachs Konvolut an Defiziten zusammen.  

Hecking Maßnahem fruchten

Man muss Hecking jedoch sehr zugutehalten, dass er vor Beginn der neuen Runde, eines der Hauptprobleme erkannte: das Spiel der Borussia musste variabler werden. Seine Elf hat tatsächlich gelernt, während des Spiels verschiedene Systeme anzuwenden; die Gegner finden so nicht mehr ganz so leicht die Lücken. Ohne die Belastung im Europapokal kann sich die Mannschaft zudem Woche für Woche gezielt vorbereiten und auch körperlich besser dosieren. TSG 1899 Hoffenheim vs. Borussia Moenchengladbach - Bundesliga Noch wichtiger für den Aufschwung sind jedoch die personellen Veränderungen, vor allem in der Offensive. Alassane Plea, der 25-Millionen-Euro Rekordeinkauf aus Nizza, ist der klassische Mittelstürmer, wie ihn die Gladbacher schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr hatten. Der 25-Jährige kann Tore ganz im Alleingang erzielen, als Konterspieler sowie als Strafraumbrecher fungieren. Seine acht Treffer haben einen ganz wesentlichen Anteil an der hervorragenden Punkteausbeute, genau wie Thorgan Hazard. Der Belgier hat in der laufenden Spielzeit einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, was Effektivität und Konstanz angeht. Acht Tore und sechs Assists haben erwartungsgemäß einige Spitzenklubs auf den Plan gerufen, die sich um seine Dienste bemühen. Aber auch in Mittelfeld und Abwehr hat sich die Borussia entscheidend verbessert. Florian Neuhaus, 21, macht in der Zentrale in seiner ersten Bundesliga-Saison eine ganz hervorragende Figur, acht Torvorlagen sind eine phänomenale Bilanz. Und hinten rechts hat sich Michael Lang,  der erfahrene Nationalspieler vom FC Basel, nach überstandener Verletzung als der erhofft große Stabilisator und Antreiber- Nebenei bringt der 27-Jährige auch den Schuss an Persönlichkeit auf den Platz, die dem Team im Vorjahr abging.  

In einer Woche kommt die andere Borussia zu Besuch

Falls Gladbach in den nächsten zwei Partien, abwärts in Hoffenheim und zu Hause gegen Nürnberg mit den Dortmundern Schritt halten oder sogar den Rückstand verkleinern kann, kommt es kurz vor Weihnachten (21. Dezember)  zu einem Borussen-Derby der ganz außergewöhnlichen Art. Hecking hat sich vorsichtshalber übrigens einen Meisterschaftsbonus im neuen Arbeitspapier zusichern lassen. Man kann ja nie wissen.  
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