Gelsenkirchen feiert Trainer-Neuling Wagner Mainz und die Suche nach der Normalform Immer noch Ärger wegen Tönnies   Dass Schalke 04 ein besonderer Verein ist, dürfte selbst Menschen bekannt sein, die sich nur am Rande für Fußball interessieren. Der Sport war für Anhänger der Königsblauen schon immer mehr als nur ein Spiel über 90 Minuten, mehr als Tore, Punkte oder Titel. Über allem steht hier das Zauberwörtchen Identifikation, es bedeutet dem Schalker Anhang mehr als ein gewonnenes Spiel. Und auch wenn die Zeiten, da Fan und Fußballer gemeinsam unter Tage malochten und man sich am Wochenende in unterschiedlichen Rollen im Stadion wiedertraf, lange vorbei sind, wird der Schalker Anhang nicht müde zu betonen, wie wichtig es in diesem Klub für die Vereinsprinzipien und Überzeugungen der Kurve einzustehen. Und weil auf Schalke selbstverständlich niemals so etwas wie Normalität eintreten kann, ist in den vergangenen Wochen mal wieder ordentlich was losgewesen.  

5:1 gegen Paderborn – so sieht der Wagner-Fußball aus

Beginnen wir mit dem Positiven, als da wären: Ein neuer Trainer, der tatsächlich mal wie Arsch auf Eimer zu diesem Klub zu passen scheint und eine Mannschaft, die den Hauruck-Fußball bietet, den man in Gelsenkirchen sehen möchte. Nach dem eher mäßigen Auftakt mit einem Unentschieden gegen Mönchengladbach und der 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern, haben die Schalker zuerst Hertha BSC (3:0) und dann den SC Paderborn (5:1) förmlich überrollt. Vor allem beim Kantersieg gegen Aufsteiger Paderborn zeigte sich, für welchen Stil der Neuling an der Seitenlinie, David Wagner, steht: Hohes Pressing, blitzschnelles Umschalten, direkter Zug zum Tor. In den besten Phasen erinnerte das an den Fußball von Jürgen Klopp und es ist vermutlich kein Zufall, dass dieser Wagner Klopps Trauzeuge war und ein guter Freund ist. Beide entstammen der Trainerschmiede von – genau – Mainz 05, dem kommenden Gegner der Schalker am Freitagabend. Rein sportlich sieht es auf Schalke also zur Abwechslung mal wieder sehr positiv, stellvertretend für alle Königsblauen bejubelte die „Bild“-Zeitung „Fußball, der endlich wieder Spaß macht“. David Wagner Schalke 04 Aber Schalke wäre nicht Schalke, wenn es nicht selbst auf Wolke 7 ein paar Regenschauer geben würde. Die Hauptfigur in diesem Trauerspiel ist ausgerechnet Vereinsboss Clemens Tönnies, der sich bekannterweise vor einigen Wochen auf einer Veranstaltung zu einer rassistischen Aussage hinreißen ließ. Und das als Frontmann eines Klubs, dessen Fanszene zurecht stolz ist auf ihr seit Jahren betriebenes anti-rassistisches Engagement. Statt ernsthafte Konsequenzen zu ziehen, wurden Tönnies´ Zitate vom Schalker Ehrenrat doch tatsächlich offiziell als Diskriminierung und nicht als Rassismus interpretiert, Tönnies selbst verurteilte sich zu einer dreimonatigen Sperre. Konsequentes Verhalten sieht anders aus und auch deshalb hat sich mit der Richterin Kornelia Toporzysek eines dieser Ehrenratsmitglieder nun aus dem Amt zurückgezogen. „Ich bedanke mich für das Vertrauen“, schrieb Toporzysek auf Twitter, „glaube aber nicht mehr daran, dass die vereinsinternen Strukturen eine meinem Amtsverständnis entsprechende Erfüllung der Aufgaben des Ehrenrates zulassen.“ Parallel wird der harte Kern der Schalker Fans nicht müde, das Verhalten des mächtigen Fleischbarons Tönnies zu kritisieren. Nein, wirklich Ruhe wird bei diesem Verein wohl nie einkehren.  

Mainz nach vier Spielen mit dem Rücken zur Wand

FSV Mainz 05 Selbst dann nicht, wenn man am Freitag auch gegen Mainz gewinnt und mit einem entsprechend hohen Sieg sogar einen Tag lang die Tabelle anführen würde. Genau das will der FSV unter der Leitung von Trainer Sandro Schwarz verhindern. Schon allein deshalb, weil man nach nur drei Punkten aus vier Spielen derzeit auf dem Relegationsplatz 16 steht und eine weitere Niederlage den Abstand zum gesicherten Mittelfeld nur noch vergrößern würde. Die Mainzer leiden unter einem Problem, mit dem ein vergleichsweise kleiner Klub von Jahr zu Jahr erneut klarkommen muss: Die besten Spieler wandern zu größeren Vereinen ab, der Erfolg hängt vor allem davon ab, ob die Neuzugänge in der Lage sind, sich so schnell wie möglich anzupassen. Bislang gelingt das nur Rekordeinkauf Jeremiah St. Juste, der für acht Millionen Euro von Feyenoord Rotterdam zu den Mainzern kam und zuletzt den so wichtigen Siegtreffer beim 2:1-Sieg gegen Hertha BSC erzielte, und Rückkehrer Adam Szalai, der von 2010 bis 2013 bereits für den FSV auflief und vor dieser Spielzeit von Hoffenheim nach Mainz wechselte. Trainer Schwarz wird sich mit seiner Truppe aber nur dann aus der Gefahrenzone verabschieden, wenn sich auch der Rest seiner Neulinge mit dem Tempo in der Bundesliga arrangiert. Gegen Schalke 04 bietet sich dafür die nächste Gelegenheit. Geht es nach den Buchmachern, stehen die Mainzer Chancen auf einen Auswärtssieg allerdings nicht wirklich gut. Wer auf einen Erfolg der Rheinhessen setzt, bekommt die Quote , nur gibt es bei einem Sieg der Schalker. Mein Tipp: Beide Mannschaften liefern sich einen offenen Schlagabtausch und ein interessantes Bundesligaspiel, das am Ende mit 2:2 ausgeht .  
Quoten unterliegen Änderungen.

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