Ohne den verletzten Kapitän konnte die Borussia im Februar nur ein Spiel gewinnen. Seine Tore, Vorlagen und Kombinationsfähigkeiten waren für Lucien Favre nicht zu ersetzen.  Gegen Augsburg soll er Freitagabend wieder mitmischen, wenn auch nicht von Anfang an.    Als Marco Reus am 5. Februar in der Halbzeit des DFB-Pokalspiels gegen Werder Bremen den Platz verließ, war in Dortmund noch alles ganz wunderbar. Der Kapitän hatte seiner Elf soeben mit einem herrlichen Freistoßtreffer die Tür ins Viertelfinale geöffnet. In der Bundesligatabelle lag der BVB mit sieben Punkten Vorsprung auf Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern auf Platz eins und alle freuten sich auf den Ausflug ins Wembley-Stadion, zum Achtelfinalhinspiel gegen Tottenham Hotspur. Marco Reus Borussia Dortmund Doch nach Reus’ Oberschenkel-Verletzung zog sich auch das Spiel der Favre-Elf eine Zerrung zu. Dortmund schied gegen Bremen im Elfmeterschießen aus, ließ gegen Hoffenheim (3:3) und Nürnberg (0:0) völlig unnötig vier Punkte liegen, die in der Endabrechnung fehlen könnten, und kam in London dank Unreife in der Defensive mangelnder Effizienz im Sturm ganz gehörig unter die Räder. Das 0:3 lässt den Schwarzgelben höchstens minimale Chancen auf ein Weiterkommen. Und in Meisterschaft der ist der Abstand auf die Münchner nach dem einzigen Sieg ohne Reus im Kader (3:2 gegen Bayer 04 Leverkusen) auf vier Punkte geschrumpft.  

Reus’ Rückkehr ist überfällig

Höchste Zeit also, dass Buntspecht Marco - sein Spitzname ist Woody, in Anlehnung an Woody Woodpecker, den Cartoon-Vogel mit der neckischen Frisur - endlich wieder am Brett mitbohren darf. Der 29-Jährige steht heute Abend in Augsburg im Kader, wird aber höchstwahrscheinlich nicht von Anfang an spielen. Favre kündigte an, mit seinem Schlüsselspieler “vernünftig” umgehen zu wollen. Dortmund zwar kann gegen Manuel Baums abstiegsbedrohte Elf wohl auch ohne Reus bestehen, aber über einen längeren Zeitraum dürfte Dortmunds mit Abstand wichtigster Mann auf keinen Fall ein zweites Mal ausfallen. Die Mannschaft sei abhängig von ihrem “Leader”, ähnlich wie Barcelona es von Lionel Messi sei, gab Thomas Delaney gegenüber Eurosport zu: “Man kann ihn nicht ersetzen. Wenn er da ist, dann haben wir einen klaren Weg vor uns, weil wir wissen, dass er uns führt.” Marco Reus Borussia Dortmund Das Wort “Leader” passt eigentlich nicht, denn Reus ist kein klassischer Antreiber und schon gar nicht ein Kabinenwachhund, der dauernd die Kollegen anbellt. Diese Rolle kommt eher Axel Witsel zu. Die Armbinde hatte den eher ruhigen Mario nicht über Nacht zum großen Alphawolf gemacht, das entspricht nicht seinem Temperament. Es ist aber genau so, wie Delaney beschreibt: Reus führt, in dem er im Wortsinn die Richtung vorgibt; er ist der Wegweiser in der Offensive. “Marco ist mein großes Vorbild, ich schaue immer, was er macht,” sagte Jadon Sancho kürzlich zu ESPN.  

Die Statistik zeigt seine Bedeutung

Man kann das auch in Zahlen ausdrücken: dreizehn Tore und sechs Vorlagen in der Liga stellen seine Bedeutung unter Beweis. Herausragend ist aber auch ein xGChain90 Wert on 0,99 (https://understat.com/player/319), dieses komplizierte Kürzel steht für die Beteiligung an durchgehenden Angriffen, die einer Torchance münden, auf 90 Minuten hochgerechnet. Also: Reus kombiniert so gut mit seinen Mitspielern, dass pro Spiel im Schnitt ein Tor für Dortmund dabei herausspringen müsste. Statistisch interessant ist auch, dass seine Anzahl der erzielten Treffer fast genau den Erwartungen des xG-Modells entspricht. Bei Paco Alcacer ist das ganz anders. Der Spanier traf fast doppelt so oft (zwölf Tore), als die Wahrscheinlichkeitswerte seine Schüsse es annehmen ließen. Da selbst die besten Spieler ihren xG-Wert nicht dauerhaft übertreffen, könnte man davon ausgehen, dass der ehemalige Barcelona-Spieler bisher schlichtweg sehr viel Glück im Abschluss gehabt haben könnte, während Reus weitaus weniger schoss, dafür aber viel bessere Positionen wählte. Wer sich wie Autor Christoph Bierman “Matchplan” eingehender mit Favres Taktikkniffen beschäftigt hat, weiß auch, warum Reus den perfekten Spieler für die Strategie des Schweizers darstellt. Favres Mannschaften agierten in der Vergangenheit oft ohne zentralen Mittelstürmer und spielten dafür gerne so lange im Mittelfeld, bis sich die entscheidende Lücke auftat. Mit seinem Sinn für Raum und den richtigen Antritt die Reus prädestiniert für dieses flexible System - es lebt von Angreifern, die sich gut zwischen den Linien bewegen und Gelegenheiten instinktiv erkennen. Mit Reus dürfte der Weg vorne für die Mitspieler ab sofort wieder leichter zu finden sein. Hier gibt es die aktuellen Fußballquoten.  
Quoten unterliegen Änderungen.

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