Liverpool empfängt Bayern im Achtelfinale der Champions League.

Defensivsorgen auf beiden Seiten: Experten fordern Martinez.

Gastgeber Klopp muss auf van Dijk verzichten.

 

Robert Lewandowski hat schon so einige Schlachten mit Jürgen Klopp geschlagen. Unvergessen jene Champions-League-Saison 2012/13, als Lewandowski in einem Spiel der Königsklasse vier Tore gelangen. Nicht gegen Young Boys Bern, den FC Brügge oder Viktoria Pilsen, sondern das große Real Madrid. Nicht in der Gruppenphase, sondern im Halbfinale. Beide, Klopp und Lewandowski, hatten damals einen anderen Arbeitgeber als heute, nämlich Borussia Dortmund. Und vermutlich war es jenes begeisternde Halbfinal-Hinspiel im Frühjahr 2013, das sowohl den Stürmer, als auch den Trainer erst richtig interessant machte für andere Vereine. Lewandowski wechselte 2014 zum FC Bayern, wohl auch in der Absicht, mit den Münchener zeitnah die Champions League zu gewinnen, das deutsche Finale 2013 in London hatte er mit dem BVB noch gegen die Bayern verloren. Ähnliches im Sinn hatte vermutlich auch Jürgen Klopp, der 2015 vom FC Liverpool unter Vertrag genommen wurde, um die einstige Großmacht in England und Europa wieder zu nationalen und internationalen Titel zu führen. Im Februar 2019 müssen wir feststellen: weder hat Klopp diese Erfolge erringen können, noch ist Robert Lewandowski mit den Münchenern Champions-League-Sieger geworden. Nun treffen beide im Achtelfinale jenes Wettbewerbs aufeinander. Der Fußball sorgt eben immer noch für die schönsten Begegnungen.

 

Wettbewerbsübergreifend 25 Tore in 30 Spielen

Unklar bleibt bis zum Anpfiff am Dienstag-Abend, ob es nun ein Vorteil ist, dass Klopp als Lewandowski-Entdecker genau weiß, wie dieser Angreifer funktioniert, oder ob das keine Rolle mehr spielt und der so torgefährliche Pole (dem in dieser Saison bereits wettbewerbsübergreifend 25 Tore in 30 Spielen gelangen) ganz einfach das größte Problem für die Gastgeber aus England darstellen wird. Denn Klopps gefeierte Defensive ist arg dezimiert, ganz besonders schwer wirkt der Ausfall von Abwehrboss Virgil van Dijk, der gegen die Bayern im Hinspiel gelbgesperrt fehlt und über den der frühere Bayern- und Liverpool-Profi Didi Hamann gesagt hat: „Ich habe selten einen Spieler gesehen, der eine komplette Defensive so transformiert wie er. Bayern muss Kapital daraus schlagen, dass er nicht spielt.“ Weil Klopp noch weitere klassische Abwehrspieler fehlen, musste er bereits mit seinen Mittelfeldspielern James Milner und Fabinho in der letzten Kette experimentieren, in jedem Fall bedeuten Klopps Abwehrsorgen ein Pluspunkt für die Bayern.

Robert Lewandowski

Die wiederum hoffen in der Offensive auf den Einsatz des Franzosen Kingsley Coman, der beim mühsamen 3:2-Sieg gegen den FC Augsburg zwei Tore selbst erzielte, eines vorbereitete, aber kurz vor Schluss unglücklich und schmerzhaft mit seinem bereits mehrfach verletzten Knöchel umknickte. Im recht einfallslosen Aufbauspiel der Bayern ist er aktuell der Mann, der den Unterschied machen kann – solche Fußballer braucht es in großen Spielen. Die Bayern-Bosse gaben zwar Entwarnung, doch die „Bild“-Zeitung berichtete davon, dass Coman einen Belastungstest abbrechen musste. Im Flieger nach Liverpool saß er aber trotzdem. Es zeigt auch ein wenig die Alternativlosigkeit der Bayern, dass sie so intensiv auf den Einsatz eines einzelnen Spielers hoffen. Sie brauchen die Ideengeber in der Offensive, denn die Abwehr bleibt die Schwachstelle in dieser Saison. Gegen den im unteren Drittel der Bundesliga ums Überleben kämpfenden FC Augsburg kassierte der amtierende Meister zwei Gegentore, die eine Mannschaft, die die Champions League gewinnen will, nicht zulassen darf. „Wir müssen mit mehr Sorge zur Defensive spielen“, formulierte dann auch etwas holprig Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Vielleicht kann dabei Javi Martinez helfen, der nach Ansicht von Experte Hamann (der auf Martinez´ Position 2005 mit Liverpool die Champions League gewann) gegen die Engländer unbedingt auf der Sechs eingesetzt werden sollte: „Auch wenn Javi Martinez seit ein paar Monaten nicht mehr in seiner ursprünglichen Form ist, würde ich mich mit dem Gedanken anfreunden, ihn spielen zu lassen.“

 

Hummels fordert: „Mutig sein mit dem Ball!“

Abwehrmann Mats Hummels, der gemeinsam mit Nationaltorwart Manuel Neuer seiner Ausnahmeform der vergangenen Jahre hinterherläuft, hatte allerdings noch einen ganz anderen, gegen eine zuhause furios aufspielende Mannschaft wie den FC Liverpool nicht gerade unwichtigen Hinweis: „Eine ganz wichtige Sache ist, dass wir vor dem gegnerischen Pressing nicht kapitulieren. Nicht quer und nach hinten spielen. Mutig sein mit dem Ball.“ Was wiederum Risiken birgt. Wie beschrieb es die „Süddeutsche Zeitung“ so hübsch: „In Liverpool heißen die Stürmer ja bekanntlich nicht Sergio Cordova, Dong-won Ji und Michael Gregoritsch. Sondern Mo Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino.“

Champions League Pressekonferenz Liverpool

Die Buchmacher sehen Gastgeber Liverpool in der leichten Favoritenrolle, ein Sieg von Klopps Mannschaft bringt eine Quote von , ein Auswärtssieg der Münchener .

Mein Tipp: den Münchenern gelingt ein überraschend gutes Spiel, in dem Robert Lewandowski das erste Tor gelingt . Am Ende trennen sich beide Teams mit 2:2 , eine gute Ausgangslage für das Rückspiel in München.

 

Quoten unterliegen Änderungen.

An der Diskussion teilnehmen