Ab 2024 soll es Achtergruppen mit Auf- und Absteigern in der Königsklasse geben.

Eine Champions League als geschlossenes System gefährdet das Alltagsgeschäft 

Normale Vereine könnten auf Dauer kaum überleben.

 

Die laut eines Berichts der New York Times kürzlich vorgestellte Reform der europäischen Wettbewerbe ab 2024 würde faktisch eine kontinentale Superliga schaffen. Die besten 32 Mannschaften sollen in vier Achter-Gruppen in der Vorrunde vierzehn Partien bestreiten, um das Achtelfinale zu ermitteln; für Endspielteilnehmer wären das letztendlich 21 Spiele statt bisher 15. Darunter ist es eine zweite Europa-Liga mit ebenfalls 32 Teilnehmern angedacht, sowie eine dritte Spielklasse mit 64 Mannschaften.

Champions League Trophy

Die Inflation der internationalen Partien ist aber noch das geringste Problem des von den Spitzenklubs forcierten Konzepts. Die neue Champions League wäre darüber hinaus auch eine nahezu geschlossene Gesellschaft. 24 der 32 Start-Plätze sollen für Vorjahresteilnehmer reserviert werden, die fehlenden acht Teams würden aus Absteiger aus der zweiten Etage aufrücken.

 

Die Pläne der Spitzenverein zielen auf die Abwertung der Ligen

Ajax vs. Tottenham Hotspur - UEFA Champions League

Der Effekt dieses Systems wäre in doppelter Hinsicht deprimierend. Zum einen würden sich nach spätestens zwei, drei Jahren die besten Mannschaften aus den vier, fünf Top-Ligen Europas ganz oben fest spielen, für ein Ajax Amsterdam, den diesjährigen Halbfinalisten wäre kein Platz mehr, und für ein Bayer 04 Leverkusen, Schalke 04 oder Eintracht Frankfurt wahrscheinlich auch nicht. Die sportliche Bedeutung der nationalen Ligen wäre gleichzeitig so stark reduziert, dass das Gros der Partien, die weder Meisterschaft noch Abstieg betreffen, keine Relevanz mehr hätten. Vor allem das durchaus spannende Rennen um die ersten vier Plätze würde quasi komplett ausfallen. Wer will sich in Zukunft ein Match zwischen den fünf- und sechsplatzierten Teams anschauen, wenn doch beide im Vornherein für die Königsklasse qualifiziert sind? Mehr Spiele zwischen europäischen Mannschaften sind theoretisch reizvoll und ein höchst attraktives Produkt. Ob jedoch der Mehrwert die zu erwartenden Einnahmeverluste aus den nationalen TV-Rechten aufwiegen würden, ist fraglich. Die Zuschauerzahlen würden wohl ebenfalls zurückgehen. Mittelklasseklubs und kleinere Vereine könnten in diesem Haifisch-Tank-Ökosystem nicht bestehen.

 

Wird die Horrovision zur Wirklichkeit?

Ernsthaft kann diese Zerstörung des Alltagsgeschäfts eigentlich niemand wollen. Der Verdacht liegt deshalb nahe, dass dieses worst-case Szenario einer für normale Klubs nicht mehr zugänglichen VIP-Lounge in erster Linie dazu dienen soll, die Ausweitung der Gruppenphase durchzuboxen, sozusagen als Kompromiss. Es ist ein altbekannter Trick: schon in den vergangenen Jahren haben die europäischen Topklubs die UEFA immer wieder mit Maximalforderungen dazu genötigt, die gewünschten Reformen zu verabschieden und das eigentlichen Ziel – mehr garantierte Gelder – voranzutreiben, bis man sich vollends von lästigen Spielen gegen den SC Freiburg, Nancy oder Cagliari abgekoppelt hat. Das Allerschlimmste an dieser schrecklichen Dystopie ist aber die böse Ahnung, dass sich trotz aller Proteste am Ende wahrscheinlich doch jede Menge Zuschauer für diesen Irrsinn finden würden. Weil wir – wie die Vereine  – leider nicht genug bekommen können von diesem verdammten Spiel.

 

Quoten unterliegen Änderungen.

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