Es ist eine Champions-League-Woche in der Bundesliga: das deutsche Quartett in der Königsklasse bestimmt auch den nationalen Spieltag. In Gelsenkirchen bekommt es der noch punktlose Vizemeister Schalke 04 mit dem FC Bayern zu tun, während Borussia Dortmund nach dem glücklichen 1:0-Sieg in Brügge auswärts gegen die TSG Hoffenheim antritt. Die internationale Standort-Bestimmung fiel Dienstag und Mittag allen Unkenrufen zum Trotz   durchgehend positiv aus. Schalke zeigte beim etwas unglücklichen, schiedsrichterverschuldeten 1:1 gegen Porto ein stark beschleunigtes Angriffsspiel. Bayern siegte souverän 2:0 bei Benfica in Lissabon, Hoffenheim holte als Champions-League-Debütant ein achtbares 2:2 gegen Schachtjor Donezk. Dortmund hatte zwar Probleme, echte Chancen gegen die Belgier herauszuspielen, Christian Pulisics Zufall-Treffer war jedoch nicht unverdient: Lucien Favres Mannschaft hatte insgesamt eine ansprechende Leistung gezeigt.

Mikro-Management und Risiko-Spiel

Julian Nagelsmann wünscht sich für Samstag ein ähnliches Spiel wie beim 3:1 gegen den BVB im Mai. Derart blutleer und uninspiriert dürften die Schwarzgelben dieses Mal jedoch kaum auftreten. Favres Mikro-Management - der Schweizer achtet auf die winzigsten Details - schlägt allmählich an. Dortmunds Spiel hat deutlich an Struktur gewonnen, allein die Züge im letzten Drittel bedürfen noch mehr Präzision. “Wenn du a) einen neuen Trainer und b) auf zentralen Positionen neue Spieler hast, ist es völlig normal, dass es Zeit benötigt, bis man mit den richtigen Abläufen und der nötigen Balance in ein Spiel geht”, verdeutlichte der Trainer vor dem Ausflug in den Kraichgau. Michael Zorc mahnte zusätzlich mehr Durchsetzungsvermögen und Risiko-Spiel im eins gegen eins an. Champions League Dass Paco Alcacer, der einzig echte Mittelstürmer, wegen eine Oberschenkelverletzung kaum von Anfang an mitwirken kann, schmälert zwar die Chancen der noch ungeschlagenen Borussen, doch Hoffenheims draufgängerische Spielweise eröffnet den Gästen im Gegenzug größere Entfaltungsmöglichkeiten. Favre, der im Grunde einen langsameren Aufbau bevorzugt, hat eine Mannschaft, die von den Umschaltmomenten lebt. Jadon Sancho, Maximilian Philipp, Marco Reus und Christian Pulisic dürften sich gegen die nicht übermäßig schnelle Dreierkette der TSG eher leichter tun. Hoffenheims Reisestrapazen und der deutlich dünnere Kader sprechen zusätzlich für einen Sieg der Gäste.  

Der Versuch die rote Maschine ins Stottern zu bringen

Schalkes Chancen stehen gegen den FC Bayern naturgemäß schlechter. Niko Kovac hat mit seinen taktischen Justierungen die Kabine schon früher als erwartet für sich gewonnen, sein Team spielt mit deutlich mehr Körperspannung als vor zwölf Monaten und hat vor allem in Sachen Konterverhinderung große Fortschritte gemacht. In dieser Verfassung kann in der Bundesliga wohl keine Mannschaft dem Meister gefährlich werden, aber nach dem Spiel in in der portugiesischen Hauptstadt sind die Münchner eventuell nicht sofort auf Betriebstemperatur. Verletzungsprobleme beziehungsweise die daraus resultierenden Probleme für Kovac, gleichwertig zu rotieren, bieten den Gastgebern zumindest die theoretische Gelegenheit, die rote Maschine mit herzhaftem Defensivfußball ins Stottern zu bringen. Schalke kann mit einer Portion Glück die mittlere Sensation schaffen: ein Unentschieden ist drinnen.
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