Frankfurt überzeugt trotz der 2:4-Niederlage in Lissabon. Adi Hütters Elf spielt in der Rückrunde beständig am Limit.  Die Hessen sind mit ihrem Erfolgsanspruch ein Vorbild für die Bundesliga.   In dieser Saison wurden zugegebenermaßen schon viele Jubelarien auf die Eintracht aus Frankfurt verfasst. Aber man muss von dieser Mannschaft einfach begeistert sein. Adi Hütters Truppe, die nahezu perfekte Symbiose von Kampfkraft und durchdachtem Spiel, schafft es sogar, nach einem 2:4 bei Benfica als gefühlter Sieger vom Platz zu gehen. Ja: das Adler-Derby im Europa-League-Viertelfinale zeigte natürlich auch, dass es den Hessen auf diesem Niveau noch ein wenig an Erfahrung und Cleverness mangelte. Die Rote Karte für Evan Ndicka nach nur zwanzig Minuten war vollkommen unnötig. Die Leistung der früh dezimierten Gäste war danach jedoch umso beeindruckender. Der Eintracht war die Unterzahl kaum anzumerken. Das schier grenzenlos anmutende Selbstbewusstsein blieb völlig intakt, genau wie der Wille zum gepflegten Flachpass und die überbordende Laufbereitschaft. Ein Frankfurt, dass so spielt, darf sich gute Chancen ausrechnen, das Defizit im Rückspiel aufzuholen.  

Angriffslust statt Doppelbelastung-Gejammer

Benfica vs. Eintracht Frankfurt - UEFA Europa League Zuvor kann die Hütter-Elf mit einem Sieg gegen den unter neuer sportlicher Leitung in der Commerzbank-Arena antretenden FC Augsburg am Sonntag den Anspruch auf den vierten Platz in der Bundesligatabelle untermauern. Die Heimmannschaft wird als haushoher Favorit geführt, da sie seit Wochen überzeugt und vor allem keinerlei Anzeichen der ominösen Doppelbelastung erkennen lässt. Frankfurt hatte zwar in der Vorwoche beim 2:1 in Schalke ein bisschen Glück mit einer Schiedsrichterentscheidung, aber sechs Siege in Folge in der Liga sind kein Zufallsprodukt. Hütter schafft es Woche für Woche, seine Aufstellung so zu variieren, dass Verletzungen und die körperlichen Anstrengungen in der Europa League kaum ins Gewicht fallen. Die vielen Automatismen und geplanten Abläufe im Spiel der Hessen ermöglichen diese sanfte Rotation, noch wichtiger erscheint aus der Ferne betrachtet jedoch die Einstellung. Die Eintracht jammerte nicht wie so mancher Konkurrent über prominente Abgänge oder Reisestrapazen, um sich damit vorzeitig Alibis für den späteren Misserfolg bereit zu legen. Der ganze Verein begriff die Teilnahme am europäischen Wettbewerb dezidiert nicht als Gefahr, sondern als Chance. Dementsprechend angriffslustig gingen Vorstand, Fans, Trainer und Team das Abenteuer an.  

Eintrachts Erfolg sollte den zahlreichen Mittelmaß-Verwaltern in der Liga ein Ansporn sein

Der Unterschied zu der bräsigen Zaghaftigkeit der Heribert-Bruchhagen-Ära könnte nicht deutlicher ausfallen. Bruchhagen erklärte als fleischgewordene Euphoriebremse dreizehn Jahre lang Anhang und Öffentlichkeit, warum der in einer der reichsten Städte Europas angesiedelte Verein besser keine allzu großen Ansprüche entwickeln sollte. Diese Kleine-Brötchen-Mentalität ist leider in der Bundesliga noch immer weit verbreitet und keineswegs nur wirtschaftlichen Zwängen geschuldet: es ist im persönlichen Interesse der Verantwortlichen, die Erwartungen beständig herunter zu dimmen und das eigene Abschneiden zu relativieren. Man hat es sich in der eigenen Mittelmäßigkeit arg bequem gemacht. Benfica vs. Eintracht Frankfurt - UEFA Europa League Die Eintracht, der letzte verbleibende Bundesliga-Klub im internationalen Wettbewerb, ist ein leuchtendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man keine Angst vor großen Ambitionen hat und sich nicht von vornherein mit einer Saison im Nirgendwo zufrieden gibt. Die richtige Einstellung ist zwar auf Dauer auch kein Erfolgsgarant, aber zumindest die Voraussetzung dafür, die eigenen Möglichkeiten vollends auszureizen oder gar zu übertreffen. Die Liga sollte sich ein Beispiel nehmen.  
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