Borussia Dortmund, die aufregendste Mannschaft der Liga, steht mit zwei Punkten Abstand auf die schwächelnden Bayern an der Tabellenspitze. RB Leipzig (Platz drei) und TSG Hoffenheim (Platz vier) können auch noch ins Titelrennen eingreifen, und der eine oder andere Experte räumt selbst Dieter Heckings Borussia Mönchengladbach (Platz fünf mit ebenso vielen Zählern Rückstand auf den BVB) Außenseiterchancen in der Meisterschaft ein. Ja: so aufregend wie vor exakt zwölf Monaten war die Bundesliga selten. Dass sich heute kaum noch jemand an das rasante Auftaktviertel der Saison 2017/18 erinnert, hängt mit dem ebenso rasanten Spannungsabfall vor Weihnachten zusammen. Der Rekordmeister war dank Jupp Heynckes bald wieder in Nähe der nationalen Unschlagbarkeit gerückt, während Dortmund unter der chaotischen Anleitung von Peter Bosz in eine ernsthafte Krise schlitterte, aus der man mit Nachfolger Peter Stöger auf der Bank auch nur bedingt wieder hinauskam. Leipzig, Hoffenheim und Gladbach verabschiedeten sich derweil ins Mittelfeld der Tabelle. Und Schalke 04 wurde mit Minimalismus Vizemeister.

Der Trend geht zum Fußball

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es dieses Jahr ähnlich kommt und letztlich alles beim Alten bleibt. Die Schwarzgelben spielen seit Wochen am obersten Rand ihres Potenzials, die Münchner Bayern eher am untersten. Vom Kampf um Platz eins abgesehen, besteht jedoch berechtigte Hoffnung auf kontinuierlich gute Unterhaltung, da sich in der Liga insgesamt vieles zum Besseren gedreht hat. Auffallend viele Vereine haben sich vom Primat des Spiels gegen den Ball befreit und forcieren nun wieder das Spiel mit der Kugel. Dortmund ist mit dem genialischen Abwehrbollwerk-Knacker Lucien Favre auf der Bank die Galionsfigur des neuen Offensivgeistes, der aber auch von den wiedererstarkten Werderanern unter Florian Kohfeldt und dem konzeptionell enorm verbesserten Gladbach verkörpert wird. Sogar Ralf Rangnick, der schwäbischeHohepriester des Pressing, lässt in Leipzig plötzlich verstärkt den Ball laufen. Anstelle der Gegnerneutralisierung ist als oberstes Ziel vielerorts die eigene kreative Entfaltung getreten.

Mehr Spielwitz, bessere Ergebnisse - auch in Europa

Niko Kovac, Manager of Bayern Munich Am deutlichsten macht sich diese äußerst begrüßenswerte Entwicklung vielleicht in Frankfurt bemerkbar. Adi Hütter hat die im Vorjahr unter Niko Kovac mit ultra-effizientem Muskelfußball reüssierende Eintracht binnen kurzer Zeit in eine dominate Kombinationsmannschaft verwandelt. Drei Siege in der Europa League gegen zum Teil hochkarätige Gegner (Marseille, Lazio) zeugen von der Vielfalt der intelligenten Lösungen und tragen wesentlich dazu bei, dass die noch im Sommer äußerst um ihr internationales Standing besorgte Bundesliga in den europäischen Wettbewerben aktuell am allerbesten abschneidet. Mit 7,357 Punkten im laufenden Ranking liegen die deutschen Teams vor den Vertretern aus Spanien (7,285), Italien (6,642) und England (6,214). Unter dem Strich sind die Partien im deutschen Oberhaus so ansehnlich wie lange nicht mehr. Man kann sich nur wünschen, dass das noch lange so bleibt - und am Ende jene Mannschaften belohnt werden, die nach Jahren des vorwiegend destruktiven Rush-and-Rush wieder das Kicken in den Mittelpunkt stellen.  
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