Bei kaum einem anderen Klub ändert sich die Stimmung so rasant schnell wie beim FC Schalke 04. Zwischen zu Tode betrübt und himmelhoch jauchzend liegen oft nur Tage oder Stunden. Ein unglückliches Unentschieden, ein verschossener Elfmeter oder der Wechsel einer der Leistungsträger der Königsblauen reicht aus – und oben ist plötzlich unten und umgekehrt. Selbst jetzt, da es der Klub zurück ins erste Drittel der Bundesliga geschafft hat und im DFB-Pokal nach seinem Halbfinaleinzug (dem ersten seit sieben Jahren) vom ersten Titel seit 2011 (Pokalsieg) träumen kann begleiten Schalke bohrende Fragen. Wie stabil ist das Hoch? Wann gewinnt Königsblau endlich die Meisterschaft? Und die vielleicht schwierigste: Wann wird es endlich konstant ruhig auf Schalke? Schalke Domenico Tedesco weiß inzwischen bei welch sensiblen Klub er gelandet ist. Wunder, darauf hat der 32-Jährige hingewiesen, kann er keine vollbringen. Manche Warnung ist im Trubel untergegangen als er, Manager Christian Heidel und - vor allem das launische Schalker Gewissen – Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vom Umbruch und Aufbruch sprachen.   Wurde die Depression abgewendet? Die große Depression im Revier hat man mit dem Einzug ins Pokal-Halbfinale vorerst verhindert. In der Bundesliga waren nach vier Unentschieden erste dunkle Wolken aufgezogen. Und am Samstag, da geht es zu den Bayern nach München. Bayern vs. Schalke - Bayern Gewinnt 51,0   Die Schalker verfügen inzwischen zwar über die viertbeste Abwehr der Liga, die neue Stabilität ist Tedesco’s Umbau-Verdienst, aber manchem geht es nicht schnell genug. Bisher hat Trainer Tedesco vergeblich gemahnt, man müsse unbedingt lernen, mit Rückschlägen besser umzugehen. Ein solcher war die Bekanntgabe des Wechsels von Mittelfeldstar Leon Goretzka nach München. Schalke litt wieder einmal an seinen eigenen Emotionen. Während Tedesco versucht, sich auf die Lücke, die der 22-Jährige Goretzka im Sommer fraglos hinterlassen wird, vorzubereiten, fürchten andere den Abgang der nächsten Identifikationsfigur. Bisher hat das Eigengewächs Max Meyer seinen Vertrag nicht verlängert. Schalke 04 Als Tedesco kam, entmachtete er die Schalker Gallionsfigur, den Ewigen-Schalker Benedikt Höwedes, der heute bei Juventus Turin unter Vertrag steht. Dem seit Jahren ewig gleichen Trott zu entfliehen war die Grundidee. Dass die Figuren auf dem Spielfeld austauschbar werden könnten, das fürchten nun viele in Gelsenkirchen. Umso mehr wird es darauf ankommen, wie belastbar das Vertrauen in Trainer Tedesco und seine Strategie ist, Mannschaft (und Verein) unabhängiger zu machen von Stimmungsschwankungen. Doch Tedesco spürt derzeit wie abhängig das ganze Konstrukt vom Erfolg ist.   Doch kein Ankunftsgefühl? Vor der Winterpause fühlte sich mancher auf Schalke angekommen und etabliert als deutsche Nummer zwei – zwar hinter Bayern München, aber vor Borussia Dortmund (was noch wichtiger scheint als alles andere). FC Schalke 04 Jetzt plagt man sich bei S04 mit einer Torflaute herum und fürchtet die Champions League zu verpassen nachdem das Schalker Spiel zwar weniger schön anzusehen, aber erfolgreicher wurde. Effektiver und kaltschnäuziger müsse man nun im Abschluss werden, sagt Tedesco. Das aber könne dauern, weil die neue Mannschaft auch das erst lernen müsse. Emotionen sind gut und schön, meint Tedesco, aber nur dauerhaft gute Ergebnisse schaffen die Grundlage für die Stabilität, die sich alle auf Schalke so sehnsüchtig wünschen. Nur über den richtigen Weg zum Glück scheint man sich beim S04 zu oft uneins. Trotz Tedesco und dessen neuen Kurs bleibt es bei den Knappen im Revier spannend. Spannender als bei den meisten Konkurrenten. Wenigstens darin sind die Schalker eindeutig Spitze, mit großem Vorsprung vor allen anderen.  
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