Der Sommer auf der Insel fühlt sich etwas anders als sonst an, was nicht nur mit den rekordverdächtigen Temperaturen zusammen hängt. Zum ersten Mal seit 1990 geht Englands Fußball nach einer WM beschwingt und mit freudiger Erwartung in die neue Saison. Die Vereinswettbewerbe müssen nicht wie üblich als Ablenkung von sportlichen Katastrophen der “Drei Löwen”-Auswahl herhalten, sondern versprechen vielmehr eine Verlängerung des Hochgefühls über die sonnigen Monate hinaus.

Manchester City

Allerdings nicht für alle. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Großteil der Fans im Mai 2019 enttäuscht auf die dann vergangene Spielzeit zurückblicken wird, die Liga kann ja nur eines der “Top 6”-Teams gewinnen. Vielleicht kann sogar niemand Meister werden, weil der Meister einfach der Meister bleibt. Pep Guardiolas Manchester City, das im Vorjahr 100 Punkte einfuhr, geht erneut als großer Favorit ins Rennen. Die Hellblauen spielten 2017/18 durchgehend auf einem Niveau, von dem der Rest der Liga nur träumen könnte; die Siege kombinierten Zwangsläufigkeit und Anmut auf wundersame Weise. Guardiola hätte zwar zusätzlich zu Flügelspieler Riyad Mahrez (Leicester City) gerne noch einen zentralen Mann geholt - man kann  nie genug davon haben, denkt der Katalane - aber der Kader ist auch so stark genug besetzt, um Platz eins zu verteidigen. Um der  Konkurrenz eine echte Chance zu ermöglichen, müssten sich Pep und Co. schon auf gewisse Weise selbst schlagen, indem sich der perfektionssüchtige 47-Jährige zum Beispiel bei der Taktik verzettelt oder sein Team überfordert. Wirklich Mut macht das den Verfolgern nicht. Premier League - Klopp

FC Liverpool

Sollte City unerwartet schwächeln, könnte allerdings die Stunde des FC Liverpools schlagen. Jürgen Klopp hat seine Mannschaft für viel Geld an den neuralgischen Punkten verstärkt, es kamen ein neuer Torwart (Alisson, AS Rom) und zwei Spieler für das zentrale Mittelfeld (Naby Keita, RB Leipzig; Fabinho, AS Monaco). Die Schlüsselfrage aus Sicht der Reds ist, ob man die Abhängigkeit von Mo Salah im Sturm verringern kann und auch ohne einen Spielmacher wie den zum FC Barcelona abgewanderten Philippe Coutinho gegen tief verteidigende Gegner Mittel und Wege zum Torerfolg findet. Dem Titel kann man nur mit besseren Lösungen im Ballbesitz gewinnen.

Manchester United

Deutlich schlechter werden von BetVictor die Erfolgsaussichten der drittbesten Mannschaft eingeschätzt. Manchester United 7:1-Quote entspricht einer statistischen Chance von 14 Prozent. In dieser für Anhänger des Rekordmeisters erschreckend niedrig wirkenden Zahl spiegelt sich mangelndes Vertrauen in José Mourinhos Coaching-Künste wieder. Der Portugiese verbrachte die gesamte Vorbereitung damit, das WM-bedingte Fehlen vieler Stammspieler die für seinen Geschmack ungenügenden Transfers zu beklagen. Eine knappe Woche vor Beginn der neuen Runde stehen nur Teenager Diogo Dalot (Porto) und der Brasilianer Fred (Schachtjor) als Neuankömmlinge fest. Die Stimmung im Old Trafford ist schlecht, das Verhältnis des Vereins zu seinem Streitbarren Erfolgstrainer wirkt ähnlich belastet wie das zischen ihm und der Kabine. Viele Medien rechnen insgeheim damit, dass Mourinho das Ende der Saison nicht auf der Trainerbank erlebt.

FC Arsenal

Besser dürfte es den zwei neuen Männern in der Hauptstadt ergehen. Unai Emery wird den FC Arsenal laut Meinung von Ex-Gunners-Stürmer Ian Wright “sofort fitter und besser organisiert” auf den Platz schicken. Chelseas Maurizio Sarri hat zwar Mühe, seine wichtigsten Leistungsträger zu behalten - Eden Hazard, Thibaut Courtois und Willian zieht es nach Spanien - doch die taktischen Innovationen des Italieners versprechen atemberaubendes Angriffspressing und rasanten Kombinationsfußball. Falls Chelsea es gelingt, die Gruppenphase der Europa League mit dem ungeliebten Donnerstag-Sonntag-Rhythmus gut zu überstehen, dürfte die Rückkehr unter die ersten Vier ein realistisches Ziel sein. Premier League - Pochettino

Tottenham

Ob das auch den Spurs gelingt, ist dagegen fraglich. Mauricio Pochettino straft viele Experten mit Tottenham schon seit Jahren Lügen, aber die Gefahr ist, dass die ob des Stadionneubaus nur geringen Investitionen in den Kader sich am Ende rächen. Die Lilienweißen spielten in den vergangenen drei Spielzeiten (Platz drei, zwei und drei) am obersten Limit. Es wäre ein kleines Fußballwunder, falls der Argentinier diese Leistungen bestätigen könnte. In jedem Fall erwartet die englischen Zuschauer ein echtes Spektakel. Die Lust auf das schöne Spiel war auf der sowieso schon ballverliebten Insel selten größer.
Quoten unterliegen Änderungen.

An der Diskussion teilnehmen