Zwei der größten Fanszenen Europas treffen sich in der Europa League.

Eintracht Frankfurt vor dem Gruppensieg, Olympique Marseille enttäuschend.

Endlich Aufeinandertreffen der Fans nach Sperre im Hinspiel.

 

Natürlich wird vor so einem Spiel mal wieder von der Kohle gesprochen. Von den 570.000 Euro, die es für jeden Sieg in der Europa League gibt. Oder der einen Million, die es zusätzlich für den Gruppensieg ausgeschüttet wird. Den zusätzlichen TV-Geldern. Und so weiter. Aber wenn Eintracht Frankfurt am Donnerstag um 21 Uhr die Franzosen von Olympique Marseille zum Heimspiel in der Euro-League-Gruppe H empfängt, dann geht es doch um so viel mehr als nur den schnöden Mammon.

Denn beide Vereine haben Fanszenen, die ohne Zweifel zu den lautesten, verrücktesten und speziellsten Gruppen in Europa zählen.

 

Beide Städte beherbergen riesige Ultra-Szenen

Das hat natürlich seine Gründe. Wie die Eintracht ist OM ein Traditionsverein mit großer Geschichte voller Auf und Abs, Silberware im Vitrinenschrank, kleinen und großen Skandalen. Dazu kommt, dass sowohl das Wirtschaftsdrehkreuz Frankfurt, als auch die Hafenstadt Marseille eine verhältnismäßig bunt gemischte Bevölkerung haben und Schmelztiegel sind. Das überträgt sich auch auf die eigene Fankurven, die ja auch nur ein Spiegel der Gesellschaft sind. Der jungen Gesellschaft im Speziellen, der Anteil der Ultras in beiden Stadion ist sehr hoch, zu den „Ultras Frankfurt“ werden gegenwärtig bis zu 20.000 Menschen gezählt, OM verfügt gleich über vier große Ultra-Gruppierungen, die zu Heimspielen beinahe überall im Stadion verteilt sind. Auf gewisse Art ist die Szene von Marseille sogar Vorbild für die Frankfurter. OM war 1984 der erste Verein außerhalb von Italien, in dem sich die Ultra-Kultur mit ihren Pyros, Choreografien, aber eben auch politischen Vorstellungen ausbreitete. In der französischen Hafenstadt ist die Ultra-Szene seitdem traditionell offen anti-faschistisch und anti-rassistisch. Und genau an solche Wurzeln dieser Jugend-Kultur hat man auch in Frankfurt gedacht, als man die eigene Kurve revolutioniert. Während die unerträglichen „Affen-Laute“ zur Verunglimpfung schwarzer Spieler oder das berüchtigte „U-Bahn-Lied“ noch in den frühen Nuller Jahren nicht unüblich im Frankfurter Block waren, dürfte man heutzutage dafür mit einer anständigen Ohrfeige rechnen. Die Kurve hat sich selbst erzogen. Wild und ungestüm und bisweilen deutlich drüber ist sie in Marseille wie auch in Frankfurt.

Fans von Olympique Marseille

Auch deshalb mussten die Frankfurter noch vor Beginn dieser Europa-League-Saison eine sehr harte Strafe akzeptieren, wo sie doch diesmal völlig unschuldig gewesen waren. Weil sich OM-Fans in der Vor-Saison daneben benommen hatten, durfte Marseille für das erste Heimspiel dieser internationalen Spielzeit keine Tickets verkaufen: weder für den eigenen Anhang, noch die Gäste aus Frankfurt. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie aufregend diese ohnehin schon aufregende Stadt Marseille gewesen wäre, wenn 15.000 Frankfurter nach Südfrankreich hätten kommen dürfen. Gut vorstellbar, dass den Uefa-Bestrafern diese verhinderte Möglichkeit eines Fußballfankultur-Festivals gar nicht bewusst war, als sie den Kurzzeitbann über Marseille aussprachen.

 

Lieber Bembel-Abenteuer, statt Ausschreitungen

Weil es nun aber in der Europa League Hin- UND Rückspiel gibt, kommt man nun halt im eiskalten Frankfurter November zusammen, statt im Spätsommer von Marseille. Bleibt sehr zu hoffen, dass die Frankfurter nicht nachtragend sind und den Ärger über das Aufenthaltsverbot vor dem Hinspiel längst verarbeitet haben. Gemeinsame Bembel-Abenteuer an den Frankfurter Tresen statt Massenkeilerei – das wäre doch so viel schöner.

Frankfurter Ultras

Sportlich steht die Eintracht mit 12 Punkten vor Lazio Rom (9) auf dem ersten Platz, ein Sieg gegen Marseille bleib gleichzeitigem Punktverlust der Italiener gegen Apollon Limassol würde schon einen Spieltag vor dem Ende der Gruppenphase die endgültige Tabellenspitze bedeuten. Und, ja, damit auch eine ganze Menge Geld.

Ein Sieg der Gastgeber aus Frankfurt steht bei einer Quote von , ein Erfolg des in dieser Saison enttäuschenden Vorjahresfinalisten aus Marseille bringt .

Mein Tipp: die starke SGE lässt sich von der besonderen Atmosphäre im Stadion inspirieren, spielt groß auf, führt zur Pause bereits mit 2:0 , und gewinnt am Ende mit 3:1 .

 

Quoten unterliegen Änderungen.

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