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Erinnerungen an den Titel von 2014 Ter Stegen für Manuel Neuer im Tor Löw fehlen neun etablierte Nationalspieler – Chancen für Neulingen Fußball ist wie das Leben. Vier Jahre und 120 Minuten hat es damals gedauert, bis die deutsche Nationalmannschaft im Endspiel der WM 2014 stand, vier Jahre und 120 Minuten der Vorbereitung, der Rückschläge, der Überraschungen, des Hoffens und des Bangens. Und als alles vorbei war an diesem 13. Juli 2014, war man doch viel zu erschöpft, um sich so zu freuen, wie man sich das immer vorgestellt hatte, wenn Deutschland Weltmeister werden würde. Der große Sieg im Finale von Rio ist nun schon wieder mehr als fünf Jahre her. Es könnten auch 50 Jahre sein, so sehr scheint dieser wunderbare Abend in der Vergangenheit zu liegen. Wie das immer so ist mit den außergewöhnlichen Momenten im Leben: Sie kommen ganz langsam und gehen so schnell. Ein Augenblick, mehr bleibt von ihnen nicht.

Was ist aus Götze geworden? Aus Schweini und Hummels?

Noch viel weiter entfernt wirkt dieser Titelgewinn, wenn man sich überlegt, was in der Zwischenzeit alles passiert ist. Aus dem Schützen des Goldenen Treffers, Mario Götze, der nie wieder so frei Fußball spielen durfte und konnte, wie vor seiner Einwechslung in dieses Endspiel. Aus der damals weltweit gefürchteten Innenverteidigung um Mats Hummels und Jerome Boateng, die Jogi Löw längst aussortiert hat. Bastian Schweinsteiger ist Fußball-Rentner im Exil, Thomas Müller selbst im Verein auf der Zielgerade seiner Karriere angekommen. Inzwischen wird selbst der einst unantastbare Manuel Neuer in Frage gestellt, wer sich das im Sommer 2014 getraut hätte, wäre umgehend für verrückt erklärt worden.

Doch die Uhr dreht sich weiter, unerbittlich, ganz besonders im Fußball, wo man gestern noch Held sein durfte und morgen schon Loser sein kann. Umso schöner, wenn die Organisatoren im Wust der Qualifikationsspiele und unnötigen Testbegegnungen eine Paarung zustande bringen, die die Möglichkeit bietet, sich mal wieder ein wenig in der glänzenden Vergangenheit zu sonnen. Am Mittwochabend spielt Deutschland gegen Argentinien, ein Klassiker, generationenübergreifend. Neuauflage der WM-Endspiele von 1986, 1990 und eben 2014, für jede Altersklasse ist was dabei.

Kampf um den Platz im deutschen Tor

Schwer, sich da wieder in die Gegenwart zurück zu beamen. Da wird man am Mittwoch im Dortmunder Westfalenstadion tatsächlich nicht Manuel Neuer, sondern seinen Konkurrenten Marc-André ter Stegen im deutschen Tor erleben, eine Personalie, die in der jüngeren Vergangenheit für Aufsehen gesorgt hatte. Für ter Stegen, der seit Jahren Stammtorhüter beim großen FC Barcelona ist, ist es längst an der Zeit für eine Wachablösung im DFB-Kasten, und verstehen kann man den ehrgeizigen Schlussmann ja. Manuel Neuer ist über seinen Zenit bereits hinaus, was ihn natürlich immer noch einen großartigen Schlussmann sein lässt. Aber dem sechs Jahre jüngeren ter Stegen gehört nun mal die Zukunft. Gegen Argentinien kann er sich beweisen. Jogi Löw wird seine Entscheidung vermutlich rechtzeitig vor der Europameisterschaft im kommenden Jahr treffen wollen.

Ansonsten ist Löws Kader der Gegenwart mit Blick auf das Finale von 2014 nicht mehr wiederzuerkennen. Mit Toni Kroos hat einer der letzten Feldspieler von damals verletzungsbedingt für das Testspiel abgesagt, stattdessen bastelt der Bundestrainer weiter fleißig an der Zukunft. Mit dem Leverkusener Nadiem Amiri und dem Schalker Suat Serdar stehen zwei junge Neulinge mit im Kader, die 2014 vermutlich noch mit ihren Kumpels vor dem Fernseher saßen, als die Nationalelf im ferne Rio de Janeiro Geschichte schrieb. Sowieso wird die Partie gegen Argentinien für Löw genau das, was es auch sein soll: ein echter Härtetest. Gleich neun etatmäßige Auswahlspieler fallen aus, die unerfahrene Jugend soll und darf es gegen Argentinien richten. Die Südamerikaner selbst suchen weiterhin nach einer Lösung für die Zeit nach Lionel Messi, auch wenn es derzeit noch undenkbar scheint: auch der vielleicht beste Spieler seiner Generation geht langsam, aber sicher der wohlverdienten Fußball-Rente entgegen.

Trifft Gnabry auch gegen Argentinien?

Und trotzdem werden am Mittwoch noch einmal all die schönen Erinnerungen wach werden. An jenen Sommer 2014, als Löw den kleinen Götze aufs Feld schickte, und dann einige Minuten später die Flanke vom langen Schürrle so sauber verwertete, dass danach alle durchdrehten. Danke vorab für die warmen Gedanken im kühlen Oktober. Erstaunlich einseitig bewerten die Buchmacher diese Partie: Für einen Heimsieg der Deutschen steht die Quote bei 1,75, ein Auswärtserfolg der Argentinier bringt 4,1. Mein Tipp: Bereits in der ersten Halbzeit sehen wir mehr als 2,5 Tore (6,5), am Ende gewinnt die DFB-Auswahl mit 3:1, der aktuell so überragende Serge Gnabry wird sich auch gegen die Südamerikaner in die Torschützenliste eintragen (2,4).

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