Deutsche Nationalmannschaft vergibt 2:0-Führung in Gelsenkirchen. 100. Länderspiel für Weltmeister Thomas Müller. Liverpools van Dijk trifft spät für Gast aus dem Nachbarland.   Wer noch einen Beweis dafür benötigte, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen Umbruch bitter nötig hat, der brauchte nur aufmerksam das Spiel der DFB-Auswahl am letzten Spieltag der Nations League gegen die Niederlande verfolgen. 80 Minuten lang war der Gastgeber in der Gelsenkirchener Veltins Arena die bessere, weil gefährlichere Mannschaft, dann entschied sich Joachim Löw den Mann aus dem Spiel zu nehmen, der bis dahin die Hauptverantwortung für diese Gefahr getragen hatte: mit der Herausnahme von Leroy Sané verloren die Deutschen den Abnehmer für fast alle Bälle aus der Defensive, stattdessen wurde nun ein anderer Spieler gesucht: Thomas Müller, der nach 66 Minuten für Serge Gnabry eingewechselt worden war und sein 100. Länderspiel feiern durfte. Wobei „feiern“ vielleicht der falsche Ausdruck ist, denn Müller schaffte es in den kommenden Minuten, drei Konter mit Fehlpässen abzuschließen, im Vergleich zu dem ballgewandten Youngster Sané wirkte Oldtimer Müller wie ein Fremdkörper in der deutschen Offensive. Und so urteilte denn auch Bondscoach Ronald Koeman nach der Partie: „Sie hatten ihre Chance, das Spiel zu beenden.“  

Sané, Gnabry und Werner raus – Deutschland fehlt es an den Möglichkeiten

Hatten sie. Aber weil mit Sané, Gnabry und auch Torschütze Timo Werner (63. Minute für Marco Reus) die drei Spieler aus der Partie genommen waren, die zuvor der niederländischen Defensive so intensiv beschäftigt hatten, fehlte es der DFB-Auswahl fortan einfach an den Möglichkeiten. Stattdessen übernahm der Gast in den letzten zehn Minuten das Kommando, kam durch Quincy Promes in der 85. Minute zum Anschlusstreffer, ehe Kapitän Virgil van Dijk in der Nachspielzeit tatsächlich das glückliche 2:2 gelang. Riesenjubel bei der Mannschaft und den Fans im Stadion, der Punktgewinn in letzter Minute bedeutete den Gruppensieg für die Niederländer, die damit ins Finale der Nations League einziehen. Thomas müler Deutschland - Niederlande Wer hätte das gedacht zu Beginn dieses merkwürdigen Wettbewerbs, als die Niederländer, die es nicht zur WM nach Russland geschafft hatten, in eine Gruppe mit Weltmeister Frankreich und dem ewigen Rivalen aus Deutschland gelost wurden. Das erste Spiel war nicht mal angepfiffen, da war die Auswahl von Ronald Koeman schon mit Häme überschüttet worden. Jetzt steht der ehemalige Nationalspieler als strahlender Sieger da. Und das, obwohl es zu Beginn der Partie gar nicht danach aussah, dass die Niederländer jubelnd die Veltins Arena verlassen würden. Bereits nach neun Minuten schloss Leipzigs Timo Werner einen schnellen Angriff erfolgreich ab, in der 20. Minute tanzte Sané durch die Abwehrreihe und erzielte mit einem Linksschuss das zweite Tor. „Man muss da viel konzentrierter sein. Wir wussten, dass sie mit ihrer Schnelligkeit sehr gefährlich sein würden. Das Spielsystem hat uns nicht überrascht, wir hatten unsere Schwierigkeiten", gab Koeman später zu Protokoll, „vielleicht war es für uns zu viel, innerhalb so kurzer Zeit gegen Frankreich und Deutschland auf höchstem Niveau spielen zu müssen.“  

„Gute Erfahrungswerte“ – Löw hofft auf einen Neustart 2019

Sein Trainerkollege Joachim Löw, der sich nach Spielende durchaus die Frage gefallen lassen musste, warum er so unklug gewechselt hatte, sagte: „Ich bin sicherlich ein bisschen enttäuscht über das Ergebnis. Über die gesamte Spielzeit habe ich aber mehr Positives als Negatives gesehen. Jetzt sind wir am Ende bestraft worden, das ist natürlich bitter. Es zieht sich ein bisschen durch das Jahr. Wir haben über weite Strecken sehr gut gespielt. Wir müssen lernen, so ein 2:0 über die Bühne zu bringen. Das sind jetzt Erfahrungswerte, aus denen wir lernen müssen.“ Joachim Löw Deutschland - Niederlande Für die deutsche Mannschaft geht ein merkwürdiges Jahr zu Ende. Noch im Juni galt der Weltmeister von 2014 als Topfavorit auf den Titel in Russland, jetzt gilt die DFB-Auswahl offiziell als Absteiger – Platz drei von drei Teams in die Nations League-Gruppe. „Es war ein sehr enttäuschendes Jahr“, gab auch Löw zu, „Ich gehe nach den letzten Länderspielen aber mit einem guten Gefühl in die Winterpause. Wir haben viel Potenzial. Das macht viel Mut für das nächste Jahr.“ Hier findet ihr die neusten Quoten für Fußball und die kommenden Spiele der Nations League.  
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