Aus Pforzheim in die Squadra Azzurra: Vincenzo Grifo gegen Portugal dabei Portugal kann Gruppensieg klar machen Italiens Nationalcoach Mancini unter Druck   Wenn man gut durchkommt, schafft man es in sechseinhalb Stunden von Pforzheim nach Mailand. Gut 550 Kilometer trennen die 120.000-Einwohner-Stadt aus dem Nordwesten Baden-Württembergs und die norditalienische Metropole. Am Samstag um 20:45 Uhr stehen sich hier im legendären Stadion San Siro Gastgeber Italien und Europameister Portugal in der Nations League gegenüber. Im Kader des Weltmeisters von 2006 wird sich dann erstmals ein junger Mann finden, der bis 2006 in Pforzheim das Fußballspielen lernte, und es über die Umwege Karlsruhe, Dresden, Frankfurt, Mönchengladbach und Hoffenheim nun tatsächlich in die Nationalmannschaft des Landes seiner Vorfahren geschafft hat. „Einer der Besten Italiens zu sein, ist unglaublich“, hat der aktuell in Hoffenheim unter Vertrag stehende Mittelfeldspieler Vincenzo Grifo nach seiner Nominierung artig zu Protokoll gegeben. Und: „Ich habe immer davon geträumt und Italien am Fernseher die Daumen gedrückt.“  

Mancinis Debütant ist ein Bankdrücker

Ist die Nominierung des 25-jährigen Pforzheimers mit italienischem Pass nun ein Zeichen für die Weitsicht von Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini oder für die aktuelle Misere der Fußball-Nation, die erst vor genau einem Jahr die größte Schmach der jüngeren Geschichte verkraften musste, als man sich nicht für die WM 2018 qualifizierte? Zumal Grifo für die TSG in dieser Saison erst zweimal von Anfang an ran durfte, Mancini hat einen Ersatzspieler im Kraichgau zum Nationalspieler Italiens gemacht. Vincenzo Grifo Doch vielleicht ist gerade einer wie Grifo, Freistoßspezialist und Stabilisator im Mittelfeld, derzeit ein richtiger Spieler für die angekratzte Squadra Azzurra, die das durch den Abschied des großen Andrea Pirlo 2015 entstandene Loch im Zentrum noch immer nicht geflickt zu haben scheint. Grifo mag kein Pirlo sein, die beruhigende Wirkung auf die Spielweise der eigenen Mannschaft hat auch er. Und Italien (4 Punkte) muss gewinnen, will man sich die Chance auf den Gruppensieg im Kampf mit Portugal (7 Punkte) erhalten.  

Vielleicht braucht Ronaldo einfach mal eine Pause

Die Portugiesen wiederum haben es erstaunlich gut geschafft, die Lücke zu füllen, die das Fernbleiben eines anderen Weltstars gerissen hatte. Seit Cristiano Ronaldo bei Juventus Turin unter Vertrag steht, stand er für die Nationalmannschaft nicht mehr zur Verfügung und es ist schon so viel dummes Zeug in diesen Umstand reininterpretiert worden, dass man fast vergessen hat, dass dieser Mann nach 85 Toren in 154 Länderspielen vielleicht einfach auch mal eine Pause verdient hat und sich schon melden wird, wenn Portugal um wichtige EM-Quali-Punkte kämpft und nicht in der ungeliebten Nations League. Cristian Ronaldo Portugal Portugal verfügt über eine erstaunliche Flut an Talenten, junge und hungrige Spieler, die darauf brennen, sich beweisen dürfen, um es irgendwann mal in die riesigen Fußstapfen der Legende Ronaldo zu schaffen. Für die Partie in Mailand nominierte Nationaltrainer Fernando Santos auch die drei Bundesliga-Spieler Renato Sanches (Bayern München), Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund) und Bruma (RB Leipzig).  

80.000 gegen den Fluch vom Schweden-Spiel

Das letzte Mal, dass Italien im San Siro spielte, war übrigens das traumatische 0:0 gegen Schweden vor einem Jahr, das Italiens Teilnahme an der WM verhinderte. „Den ersten Platz zu erreichen, ist schwierig“, sagt Lorenzo Insigne, der in Mancinis System meistens als Flügelstürmer neben Ciro Immobile eingesetzt wird. „Aber es ist nicht unmöglich. Wir können Portugal in Schwierigkeiten bringen, brauchen dafür aber auch die Fans.“ Italien - Schweden WM Qualifikation 80.000 von ihnen passen in das gewaltige San Siro von Mailand, das die Welt auch als Guiseppe-Meazza-Stadion kennt, benannt nach einem 1980 verstorbenen Stürmerstar aus den 30er-Jahren. Hier hat die italienische Nationalmannschaft schon viele Schlachten geschlagen, Vincenzo Grifo hat einige davon als Zuschauer vor dem Fernseher in Pforzheim verfolgt, jetzt ist selbst dabei. Der Punkt für die schönste Geschichte im Vorfeld geht schon mal an Italien. Trotz der ungünstigen Ausgangslage tippe ich auf einen Sieg Italiens und sogar darauf, dass Italien am Ende den Gruppensieg einfährt (Quote: , Quote auf Sieg Portugal: ).  
Quoten unterliegen Änderungen.

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