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DFB-Auswahl vor Nordirland-Spiel schon qualifiziert

Schwache Zuschauerresonanz belastet Stimmung

Kroos: „Sind sehr motiviert Erster zu werden“

Wer dieser Tage als Ausländer, beispielsweise aus Nordirland oder Weißrussland, einen Blick nach Deutschland wirft und die aktuelle Diskussion um die Fußball-Nationalmannschaft verfolgt, wird sich vermutlich am Kopf kratzen und sich fragen: Was ist nur los mit diesen Deutschen? Da sind die bereits nach sieben Spieltagen in der Gruppe C für die Europameisterschaft 2020 qualifiziert, haben gerade erst Weißrussland mit 4:0 verhauen, Spieler wie Toni Kroos, Manuel Neuer oder Serge Gnabry in den eigenen Reihen und trotzdem wird sich mal wieder nur beschwert.

 

Lahm, Schweinsteiger, Klose – alle nicht mehr da

Und in der Tat ist das Jammern auf hohem Niveau, was derzeit rund um die DFB-Auswahl passiert. Der Sieg bei der Weltmeisterschaft hat eine sportliche Erwartungshaltung erzeugt, die diese sich im Umbruch befindliche Mannschaft in den vergangenen Jahren nur ganz selten erfüllen konnte. Bundestrainer Joachim Löw befindet sich weiterhin mitten in einem Drahtseilakt: Verdiente Leistungsträger wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Miro Klose, Lukas Podolski oder Mats Hummels haben ihre Karrieren beendet oder wurden aussortiert, die jungen Nachfolger haben zwar eine Menge auf dem Kasten, müssen sich aber bei allem Talent erst ihre Meriten verdienen. Das braucht im modernen, vermeintlich so schnellen Fußball, seine Zeit. Zeit, die der Nationalmannschaft nicht gegeben wird, die sie nun aber einmal benötigt.

Noch viel schwerer ins Gewicht in der aktuellen Debatte um die Nationalmannschaft fällt allerdings die Kritik an der ebenso geistfreien wie völlig überzogenen Vermarktung der DFB-Truppe in den vergangenen Jahren. Schon allein die offizielle Umbenennung in „Die Mannschaft“ – angelehnt an die klanghaften Beinamen Équipe Tricolore (Frankreich) oder Squadra Azzurra (Italien) – darf man gerne als eine der schlechtesten PR-Ideen der Fußball-Geschichte bezeichnen. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich auch immer darüber definiert, im internationalen Vergleich etwas biederer, fast langweiliger zu wirken, als zum Beispiel die der Brasilianer oder Franzosen. Gerade in Zeiten, da der Profifußball an allen Ecken und Enden aufgeblasen wird, ist die Enttäuschung der deutschen Fußball-Öffentlichkeit groß, dass auch die DFB-Auswahl inzwischen von oben bis unten durchgestylt wurde. Dieses neue Hochglanzimage sollte eigentlich dafür sorgen, noch mehr Menschen für den Weltmeister von 2014 zu begeistern, das Gegenteil ist eingetreten. Die Einschaltquoten bei Spielen der DFB-Elf sinken, die Stadien werden immer leerer (auch in Frankfurt werden viele Plätze leer bleiben), die Kritik an der Marketingmaschinerie wird immer lauter. Für eine Mannschaft, die sich vor allem darüber definiert, dass sich die ganze Nation mit ihr identifiziert, ist das ein ernsthaftes Problem.

 

Man habe wohl „ein wenig überdreht“, sagt Bierhoff

Zumindest scheint bei den Verantwortlichen so langsam, aber sicher ein Umdenken stattzufinden. Man habe wohl, gab DFB-Direktor Oliver Bierhoff zu Protokoll, vielleicht „ein wenig überdreht“ in Sachen Marketing. Derweil kritisierte Torwart Manuel Neuer zum wiederholten Male die hohe Anzahl an Länderspielen, die in der Tat dafür gesorgt hat, dass das Interesse der Öffentlichkeit verwässert ist. Welche Erkenntnisse lassen sich daraus ziehen? Für die kurzfristige Entwicklung wohl keine, die nächste EM findet erstmals in verschiedenen Ländern statt, die nächste WM in Katar. Nicht gerade rosige Aussichten für die vielen Traditionalisten unter den deutschen Fans.

Erstmal gilt es für die deutschen Spieler, das Volk mit weiteren Erfolgen wieder auf die eigene Seite zu ziehen. Ein klarer Sieg gegen Nordirland und damit die Chance auf Platz 1 in der Gruppe C, würde dabei sicherlich helfen. Man sei „sehr motiviert Erster zu werden“, erklärte pflichtbewusst Toni Kroos, der gegen Weißrussland eines seiner besten Länderspiele absolviert hatte. Zumindest an der sportlichen Motivation soll es also nicht mangeln. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch die DFB-Spitze zeitnah motivieren lässt, die Dinge besser zu machen.

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