Bundestrainer Joachim Löw steht vor dem Auftakt der EM-Qualifikation unter Druck. Der 59-Jährige muss im Auswärtsspiel in Amsterdam zeigen, dass sein neues Deutschland zukunftsfähig ist. Löw plant wohl mit einer defensiven Ausrichtung gegen Oranje.   Wenn es um die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft geht, lassen sich Prognosen aller Art finden. War das 1:1 im Testspiel gegen Serbien vergangenen Mittwoch ein gelungener Neuanfang mit jungen aufstrebenden Kickern oder doch eher der Beweis dafür, dass der deutsche Fußball vor einer ungewissen Zukunft steht? Mancher kann sich sogar vorstellen, dass die Amtszeit von Bundestrainer Joachim Löw am Sonntag nach dem ersten Qualifikationsspiel zur EM 2020 gegen die Niederlande zu Ende geht – wenn, ja, wenn es wieder eine solch krachende Niederlage gibt, wie im Oktober 2018 in der Nations League als die DFB-Auswahl mit 0:3 in Amsterdam unterging und anschließend in die zweitklassige B-Gruppe abstieg. Das ist wohl eher übertrieben. Aber feststeht: Die Lage für den Bundestrainer war selten so brenzlig wie heute. Joachim Löw Jetzt, da der 59-Jährige den langen fälligen Umbruch einleitete, begleitet von viel Lärm nach dem Rauswurf der Routiniers Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller, kämpft die deutsche Auswahl nicht nur mit sportlichen Problemen, sondern mit der Ungeduld seiner Anhänger. Die warten seit dem 23. Juni 2018, als es den knappen 2:1-Sieg bei der desaströsen WM in Russland über Schweden zu feiern gab, auf ein Erfolgserlebnis in einem Pflichtspiel. Die Atmosphäre gegen Serbien in Wolfsburg wird als gespenstisch beschrieben, so still war es im Stadion. Der Pausenpfiff des Schiedsrichters wurde von lauten Pfiffen der Fans begleitet. Der Bundestrainer sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, den Umbruch zu spät eingeleitet zu haben.  Gleichzeitig ging es einigen im Fall des ausgebooteten Bayern-Trios auch wieder zu schnell. Dass die deutsche Nationalmannschaft als Außenseiter ins erste EM-Qualifikationsspiel geht, scheint jedenfalls ausgemacht. Derzeit sei man nicht unbedingt Favorit gegen die Niederlande, sagte Oliver Bierhoff, der Sportdirektor des DFB, und klang dabei nur mäßig optimistisch. Die goldenen Zeiten sind vorerst vorbei. Löw jedoch fehlt die Zeit für großartige Experimente. Ein Unentschieden ist wohl das Mindeste, was die Fans erwarten.  

Wie aber bekommt der Weltmeistertrainer von 2014 das hin?

Vorerst gründet sich die Hoffnung auf die Rückkehr der wenigen verbliebenen Routiniers wie Toni Kroos (Real Madrid), obwohl sich selbst der mit dem Champions League Sieger von 2018 in einer veritablen Krise befindet. Marco Reus (Borussia Dortmund), Ilkay Gündogan (Manchester City) und der längst nicht mehr unumstrittene Manuel Neuer (Bayern München) sollen den aufstrebenden Spielern wie Leroy Sane (Manchester City), Serge Gnabry (Bayern) und Timo Werner (RB Leipzig) Halt geben. Ilkay Gündogan Löw wird als verzweifelter Puzzlespieler beschrieben, der gleich mehrere Probleme lösen muss. Die Chancenverwertung bleibt ein Ärgernis, der Spielaufbau stockt und die Defensive um den neuen Abwehrchef Niklas Süle wackelt. Wieder untergehen ist keine Option. Deshalb wird eine Dreier- bzw Fünferkette mit zentralen Innenverteidigern Antonio Rüdiger (Chelsea), Süle (Bayern) und Matthias Ginter (Mönchengladbach) sowie den Außenverteidigern Nico Schulz (TSG Hoffenheim) und Thilo Kehrer (Paris St Germain) erwartet.  

Safety first also?

Sicher ist, es wird nicht nur auf den Ertrag ankommen, sondern um den Gesamteindruck. Ein überzeugender Befreiungsschlag wäre genau das, was Löw braucht. Dass die Unruhe rund ums deutsche Spiel die Führungsebene des DFB erreicht hat, zeigt das Theater um Präsident Reinhard Grindel. Der unglücklich agierende Verbandschef beschwerte sich, weil er von Löw zu spät über die Ausbootung des Bayern Trios informiert wurde. Auf einer anschließenden DFB-Krisensitzung soll es laut zugegangen sein. Grindel stand unter Feuer. Löw hilft das wenig. Der muss das Spiel am Sonntag überstehen. Irgendwie - aber in jedem Fall ohne neue Schrammen. gibt es die aktuellen Länderspielquoten.  
Quoten unterliegen Änderungen.

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