Russland 2018 verspricht Fußball auf einem Niveau, das wir bei Weltmeisterschaften schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Allerdings erst ab dem Halbfinale. Denn dann treffen mit Frankreich, Deutschland, Brasilien und Spanien voraussichtlich vier Mannschaften aufeinander, die alle so gut sind, dass sie auch die Champions League gewinnen könnten. Die qualitative Überlegenheit der Big Four spiegelt sich auch in den Gewinnquoten. Brasilien, dem Favoriten bei den Buchmachern, wird mit 4/1 gehandelt, was einer 20 prozentigen Gewinnchance entspricht. Argentinien, die am höchsten bewertete Elf der übrigen 28 Nationen, steht nur bei 9/1 bzw 10 Prozent.  

Wer vergoldet sich seine Schühchen?

Torschützenkönig Weitaus offener ist dagegen das Rennen um den Golden Schuh für den besten Torschützenkönig bei der WM. BetVictor sieht Lionel Messi als Favorit, vor Neymar und Antoine Griezmann und Cristiano Ronaldo  - beide . Messi ist der Hauptgrund, das die zuletzt erschreckend schwache Albiceleste es überhaupt bis nach Russland schaffte. In seinen zehn Qualifikationsspielen erzielte der 30-Jährige sieben Tore, darunter einen Hattrick beim entscheidenden 3:1-Sieg in Ecuador. Körperlich ist der Mann des FC Barcelona zudem in weitaus besserer Verfassung als vor vier Jahren in Brasilien, wo er sich zwischen den Spielzügen oft tief im Mittelfeld Verschnaufpausen nehmen müsste. Gegen Messi spricht allerdings neben der Tatsache, das Jorge Sampaolis Team im Kollektiv nicht richtig funktioniert, die Auslosung. Argentinien bekommt es in der Gruppenphase ausnahmslos mit defensiv starken, unangenehmen Gegnern zu tun. Island, Kroatien und Nigeria werden tief vor dem eigenen Strafraum verteidigen und ganz auf Konter bzw Standards setzen. In einem möglichen Achtelfinale gegen den Zweiten der Frankreich-Gruppe (Dänemark oder Peru) würde Argentinien wohl bestehen, doch dann wartet wahrscheinlich Spanien  - und damit das Aus.  

Brasilien gegen die Defensive

Messis Ex-Barca-Kollege Neymar dürfte dagegen bis zum Ende des Turniers dabei sein. Brasilien bekommt es in der Vorrunde zwar ebenfalls mit zwei Defensivteams zu tun (Schweiz und Serbien), sollte dafür aber gegen Costa Rica keine Probleme bekommen. Schweden oder Mexiko wären in der anschließenden K.o.-Runde aus Sicht der Seleçao ebenfalls keine unüberwindbare Aufgabe. Brasilien wird wohl erst im Viertelfinale auf richtig gute Teams treffen, doch bis dahin könnte Neymar schon genügend Tore erzielt haben, um sich die Trophäe zu sichern. Bis auf  das Turnier im Jahre 2002 (Ronaldo, 8 Treffer) reichten seit 1974 sechs Tore stets für den individuellen Titel. Neymars einziges Manko: Nebenmann Gabriel Jésus (Manchester City, ) ist so gut, dass sich Brasiliens Tore gleichmäßiger verteilen könnten. Bei den Portugiesen ist die Lage erstaunlicherweise ähnlich. Superstar Cristiano Ronaldo (Ronaldos 15 Tore in der WM-Qualifikation)  teilt sich im 4-4-2-System von Fernando Santos die Torejagd mit Andre Silva, der in Quali neun mal traf. Der Europameister spielte allerdings in einer überaus schwachen Gruppe gegen Andorra, Lettland, die Färöer Inseln, Ungarn und die Schweiz, was die Sturmreihe besser aussehen ließ, als sie ist. Ronaldo hat bei seinen drei bisherigen Weltmeisterschaften nur ein Tor erzielen können und wird in Russland nicht viele Gelegenheiten bekommen, seine Bilanz auszubauen. Gegen Frankreich ist im Achtelfinale das Turnier  für ihn uns seine Elf voraussichtlich vorbei. Besser dürfte es für Antoine Griezmann laufen. Der Atletico-Madrid-Stürrmer zeigte sich in den vergangenen Wochen in bestechender Form, Frankreichs Turnierweg ist darüberhinaus bis zu einem möglichen Halbfinale gegen Brasilien nicht allzu beschwerlich. Der 27-Jährige ist als Top-Stürmer von einem der vier Top-Teams meiner Meinung stark unterbewertet, vor allem wenn man bedenkt, dass er sowohl als Konter-  als auch als Strafraumspieler brilliert.  

Müller oder nicht Müller?

Torschützenkönig Und was ist mit den Deutschen? Thomas Müller, der Torschützenkönig von 2010 und zweitbeste Torjäger 2014 wird mit bewertet. Das reflektiert seine leicht veränderte Rolle in Joachim Löws Team. Der Münchner kann auf der rechten offensiven Mittelfeldposition im 4-2-3-1-System weniger oft ins Zentrum ziehen als in Brasilien, wo die DFB-Elf nur mir drei offensiven Spielern in der Spitze agierte. Interessant wird, ob Müller von Löw wieder als erster Elfmeterschütze vorgesehen sein wird. Den letzten Elfmeter in einem Pflichtspiel schoss Julian Draxler, beim 3:2 im Confed Cup gegen Australien. Damals war Müller jedoch nicht von der Partie. Gut möglich, dass in Russland Timo Werner gesetzt ist, wenn es um Penalties geht. Der RB Leipzig-Stürmer wird diesen Sommer der Mann sein, auf den in Löws Konstrukt alles hinauslaufen soll. Deutschlands gute Aussichten, wie in den vier Weltmeisterschaften zuvor mindestens ins Halbfinale zu kommen - und damit sieben Spiele zu bestreiten - machen den Ex-Stuttgarter - - zum Geheimtipp. Die DFB-Elf hat zudem in den vergangenen drei Turnieren jedes Mal die meisten Tore erzielt, 48 insgesamt. Ein paar davon dürften auf den Mann aus Bad Cannstatt abfallen.

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