21 Punkte trennen beide Stadtrivalen. Juve nach 1:2-Pleite gegen Bern in der Pflicht. FC Turin setzt auf Ex-Hamburger Rincon.   Preisfrage: Welcher Verein ist in Turin beliebter? Das große Juventus, die „Alte Dame“, die mit dem alternden Superstar Cristiano Ronaldo eine nur noch größere Siegesmaschine geworden ist? Oder der FC Turin, seit einer Ewigkeit recht erfolgloser Großstadtverein im Schatten des mächtigen Rivalen? Wäre Juventus eine politische Partei, der Klub würde bei den nächsten Wahlen in Italien vermutlich die absolute Mehrheit erhalten. Kein anderer Verein ist so beliebt wie Juve, doch in Turin selbst fliegen vor allem dem FC die Herzen zu. Einem Mann wie Cristiano Ronaldo, der sich selbst CR7 nennt und erst neulich öffentlich damit prahlte, sowohl in Portugal und England, als auch in Spanien und nun Italien mit seinen Mannschaften ganz oben zu stehen, dürften solche Aufteilungen der Zuneigung recht egal sein. Ronaldo ist auch deshalb so gut, weil er immer und überall gewinnen möchte. Entsprechend fassungslos sah man ihn unter der Woche, als Juventus mit 1:2 bei den Young Boys Bern in der Champions League verlor. Das Spiel hatte zwar keinen sportlichen Wert mehr – Juve ist trotzdem als Gruppensieger weiter – wurmte den Superstar aber doch so sehr, dass er direkt eine Spitze Richtung FC Turin losließ: „Im Derby werden uns solche Fehler wie gegen Bern nicht passieren, so ein Spiel können nur wir gewinnen.“  

Das Derby della Molle hat eine lange Geschichte

Die Fans von Juve werden das gerne hören. Auch wenn beide Teams seit Jahrzehnten nicht auf einer sportlichen Stufe stehen, das sogenannte Derby della Mole, abgeleitet vom Wahrzeichen der Stadt, der Mole Antonelliana, löst in der Stadt noch immer besondere Emotionen aus. Auch deshalb, weil beide Fangruppen unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier die eher linksgerichteten Ultras vom FC, dort die mit deutlich rechten Tendenzen versehene Kurve von Juve. Nicht selten geht dieses explosive Gemisch in die Luft. 2003 traten beide Teams erst so intensiv aufeinander ein, dass am Ende vier Rote Karten zu Buche standen, dann schlugen sich die Fanlager gegenseitig die Köpfe ein. Die Bilanz: 25 verletzte Polizisten, 13 verletzte Fans. Noch schlimmer wurde es 2015, als Juve-Anhänger Sprengsätze auf ihre Rivalen warfen und damit elf Menschen zum Teil schwer verletzten. Juventus Turin Rein sportlich trennen die Mannschaften gegenwärtig zwar nur fünf Tabellenplätze (Juve ist Tabellenführer, FC Turin auf Rang 6), dafür aber bereits 21 Punkte. Der Rekordmeister in den markanten schwarz-weißen Trikots ist mit der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo noch besser geworden und wird von einigen Experten bereits zum engeren Favoritenkreis auf den Gewinn der Champions League gezählt. Erst am letzten Spieltag gelang Juve ein wichtiger 1:0-Sieg gegen den Verfolger Inter Mailand, mal wieder war es Mario Mandzukic, der den entscheidenden Treffer erzielte. Erfolgsgarant ist aber vor allem ein Mann, den sie in Italien nur „die Sardelle“ nennen, weil er als aktiver Spieler zu dünn und wendig war. Massimiliano „Max“ Allegri, 51 Jahre alt, wurde von den Juve-Fans nach seiner Verpflichtung zunächst mit Pfiffen begrüßt, inzwischen können sie sich die „Alte Dame“ gar nicht mehr ohne diesen mittelalten Trainer vorstellen. Unter ihm reift Juventus gerade wieder zu einer Mannschaft, die dauerhaft zu den fünf besten Mannschaften in Europa gehören kann. Er sagt: „Ein Derby ist immer etwas ganz besonderes. Wir werden den FC sicherlich nicht auf die leichte Schulter nehmen und sind bereit.“  

Venezolaner Rincon „heiß auf das Derby“

Wichtigster Mann aufseiten des Underdogs ist ein alter Bekannter aus der Bundesliga. Tomás Rincón spielte von 2009 bis 2014 für den Hamburger SV, wechselte 2017 zu Juventus und wurde nach nur 13 Einsätzen ausgerechnet zum Stadtrivalen ausgeliehen. Dort hat man im Februar diesen Jahren die Kaufoption gezogen und den Mann aus Venezuela langfristig verpflichtet. Er ist nach eigener Aussage „heiß auf das Derby. In den Spielen gegen Juve braucht uns niemand zusätzlich zu motivieren“. Das 0:0 am vergangenen Spieltag gegen den AC Mailand hat seiner Mannschaft zusätzlich Auftrieb gegeben. Torino FC - Serie A Ein Sieg der Außenseiter vom FC Turin brächte eine Quote von , nur , wer auf Juve wettet. lautet die Quote, dass Cristiano Ronaldo in 90 Minuten ein Derby-Tor erzielt. Mein Tipp: am Ende kämpfen sich die Turiner Gastgeber zu einem achtbaren Unentschieden , wobei Mario Mandzukic das letzte Tor zum 2:2 schießt.  
Quoten unterliegen Änderungen.

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