Historischer Auftakt: Gegner Korea vereinigt Spieler aus Nord und Süd. DHB-Auswahl startet in die Heim-WM. Routinier Bitter sieht Deutschland in der Favoritenrolle.   Weltmeisterschaften sind nicht einfach nur Sportereignisse. Sie sind die größte Bühne, die die jeweilige Sportart zu bieten hat. Hier treten nicht einfach Mannschaften gegeneinander an, sondern ganze Nationen. Wer immer noch behauptet, dass Sport unpolitisch sei, hat es einfach nicht verstanden. Und auch deshalb beginnt diese Handball-Weltmeisterschaft mit einem Spiel, das weit über den Sport hinaus eine Bedeutung hat. Gegner von Gastgeber Deutschland (der die WM gemeinsam mit Dänemark ausrichtet) ist nicht etwa Südkorea, auch nicht Nordkorea, sondern das Team Korea. Eine koreanische Auswahl mit Spielern aus Nord und Süd. Was schon allein deshalb erstaunlich ist, weil sich die beiden Hälften des geteilten Landes Jahrzehnte lang im Kriegszustand befanden und Nordkorea von einem durchgeknallten Diktator an der Kandare gehalten wird.  

Korea macht es wie bei Olympia 2018

Im Sport scheinen die einst als unüberwindbar geltenden Grenzen nach und nach aufzuweichen: schon bei den Olympischen Spielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang schickten beide Nationen eine gemeinsame Frauen-Eishockey-Auswahl in den Wettbewerb. Die Handballer haben 16 Spieler aus Südkorea im Kader, vier kommen aus dem Norden. Ein Trainer kommt aus Süd-, einer aus Nordkorea, die Verantwortlichen haben angekündigt, dass in jedem Spiel mindestens ein Nordkoreaner auf dem Feld stehen soll. Gespielt wird übrigens in Berlin, auch das gehört natürlich zu dieser besonderen Story des Auftaktspiels. Cheftrainer Cho Young-shin (Südkorea) wurden mit den Worten zitiert: „Mit dem Fall der Mauer ist man den Weg des Friedens gegangen. Deshalb möchten wir als gemeinsames Team zeigen, dass wir als Koreaner auch diesen Weg gehen können.“ Japan vs. Deutschland - Handball International Der deutschen Auswahl dürften die Diskussionen über den Gegner sogar ganz recht kommen, so kann sie sich vergleichsweise in Ruhe auf den Einstieg in die Heim-WM vorbereiten. Die Mannschaft gehört vielleicht nicht zu den Top-3-Favoriten dieses Turniers, als Gastgeber wäre trotzdem alles unterhalb des Halbfinals eine Enttäuschung. Automatisch weckt diese WM Erinnerungen an das Heim-Turnier von 2007, als die deutsche Mannschaft in einem hochdramatischen Halbfinale Frankreich besiegte und im Endspiel schließlich auch die Polen. Einer der Helden von damals ist auch zwölf Jahre später wieder im Kader, obwohl es gut möglich ist, dass er die komplette WM vor dem heimischen Fernseher verbringt. Johannes Bitter, der damals gegen die Polen den verletzten Henning Fritz nach 34 Minuten ersetzen musste und sich mit sensationellen Paraden seinen Ehrenplatz in der deutschen Handball-Chronik sicherte, steht offiziell als Torwart Nummer 3 im Kader von Bundestrainer Christian Prokop. Er würde erst dann zur Mannschaft stoßen, wenn sich Andreas Wolff oder Silvio Heinevetter, die Nummer 1 und 2, verletzen würden. Angesprochen auf die Aussichten für den Europameister von 2016, sagt Bitter: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft zusammen, das Halbfinale sollte tatsächlich für uns drin sein. Und dann ist alles möglich.“ Der Mann spricht aus Erfahrung.  

Warten auf Gensheimer

Prokops wichtigster Spieler ist ebenfalls ein alter Bekannter und wartet auf sein erstes ganz großes Turnier: Kapitän und Linksaußen Uwe Gensheimer (der bei Paris St. Germain unter Vertrag steht) ist unbestritten einer der weltbesten Spieler seiner Generation, sehnsüchtig wartet Handball-Deutschland darauf, dass Gensheimer seine Top-Leistungen auch mal bei einem großen Turnier abrufen kann. Japan vs. Deutschland - Handball International Prunkstück der Deutschen ist weiterhin die Defensive. Heinevetter und Wolff sind exzellente Torhüter, davor verteidigen solche Spezialisten wie der 2,10 Meter lange Finn Lemke, Routinier Patrick Wiencek oder Hendrik Pekeler. Gegen das vereinigte Team Korea ist Gastgeber Deutschland der klare Favorit. In bislang fünf Duellen gegen Südkorea gab es vier Siege und ein Unentschieden. Christian Prokop sagt über den Gegner: "Sie spielen einen schnellen Ball und sind taktisch diszipliniert. Das wird ein echter Prüfstein für uns.“ Ein historischer sowieso. Mein Tipp: Deutschland gewinnt das Spiel klar, dabei fallen insgesamt mehr als 56,5 Tore und mehr als 28,5 in der ersten Halbzeit. (2)  
Quoten unterliegen Änderungen.

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