VfL-Handballer nach krasser Pleite gegen Minden in der Pflicht. Füchse müssen im Meisterschaftsrennen punkten. VfL-Keeper Lichtlein: „Sind nur im Kollektiv stark“.   Es gab mal eine Zeit, da fuhren die Gegner von Handball-Bundesligist VfL Gummersbach nur sehr ungern in das kleine Städtchen mitten im Oberbergischen. Hier, etwa 30 Minuten von der Weltstadt Köln entfernt, standen Spieler wie Heiner Brandt, Jo Deckarm oder Daniel Narcisse auf dem Parkett, machten Nachwuchstalente wie Stefan Kretzschmar die Liga unsicher, warteten 10.000 heißblütige Handball-Fans darauf, die Gäste aus Flensburg, Kiel oder Lemgo an die Wand zu singen. Zwölfmal wurde Gummersbach Deutscher Meister, fünfmal gewann der Verein den Europapokal der Landesmeister. Gummersbach war eine Handball-Hochburg.  

Der letzte Gummersbacher Erfolg liegt schon sieben Jahre zurück

Zumindest den Glauben an die eigene große Vergangenheit haben sie tief im Westen nicht verloren. „Heimat des Handballs“ prangt es ganz oben auf der Vereinshomepage, das hat ein wenig was vom legendären „This is Anfield“-Schild beim FC Liverpool. Doch die Gegenwart beim VfL Gummersbach scheint tausende Handballwürfe weit entfernt von dem, was einmal war. Der letzte große Erfolg – der Sieg im Europapokal der Pokalsieger – liegt auch schon wieder sieben Jahre zurück, in den beiden vergangenen Spielzeiten entging man nur knapp dem Abstieg und aktuell steht man erneut mit einem Bein in der Zweitklassigkeit. Bestes Beispiel für die gegenwärtige Misere: das 28:40-Debakel am vergangenen Spieltag gegen den Tabellenzwölften GWD Minden. Und jetzt wartet am Nikolaustag auch noch der Liga-Sechste Füchse Berlin. Kevin Schmidt VfL Gummersbach - DKB HBL VfL-Torwart Carsten Lichtlein, 2007 noch Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft, war gegen Minden nicht zu beneiden. Er ging nach der Partie hart ins Gericht mit der Leistung seiner Mannschaft: „Besonders in der Schlussphase haben wir den Kopf verloren. Und leider ist es nicht das erste Spiel, das so verlaufen ist.“ Der Torwart fordert, dass „wir als Team in solchen Situationen dem Nebenmann mehr helfen. Wenn jeder alleine spielt, ist es dann schwierig gute Chancen zu kreieren oder hinten in der Abwehr Tore zu verhindern.“ Die Pleite gegen Minden war bereits die 12. Niederlage im 15. Spiel für den früheren Weltklasse-Verein, der sich gegenwärtig auf Rang 16 der Bundesliga wiederfindet, punktgleich mit der SG BBM Bietigheim und dem Tabellenletzten Die Eulen Ludwigshafen.  

„Wir haben keine so guten Einzelspieler“

Auch die Füchse Berlin sind eher durchwachsen in die Saison gestartet, der Sieg gegen Bergischer HC am vergangenen Spieltag war erst der neunte im 15. Spiel – für die Ansprüche der Hauptstädter zu wenig. Und dass sich kürzlich das 20-jährige Talent Frederik Simak (schon 61 Saisontreffer) an der Schulter verletzte und noch im Dezember operiert werden muss, hebt die Stimmung in Berlin nicht wirklich. VfL-Mann Lichtlein sagt: „Gegen Berlin müssen wir eine kompakte Abwehr stellen und im Angriff diszipliniert spielen, um ihnen nicht die Möglichkeit zu geben, einfache Tore zu erzielen.“ Allerdings „haben wir keine so guten Einzelspieler, dass einer von uns das Spiel entscheiden kann. Das können wir nur im Kollektiv, vor allem mit dem Hintergrund, dass wir verletzte Spieler und dadurch einen nicht so breiten Kader haben.“ Silvio Heinevetter - Füchse Berlin Die Füchse werden gegen Gummersbach auf ihren 23-jährigen dänischen Rückraumspieler Jacob Tandrup Holm setzen, der in dieser Saison bereits 65 Tore geworfen hat. Trainer Velimir Petkovic ist froh, überhaupt mit einem einigermaßen aufgefüllten Kader nach Gummersbach zu fahren, zeitweilig hatte der Coach zehn Verletzte zu beklagen. Er sagt: „Immerhin, wir haben den November überlebt.“ Bleibt jetzt nur die Frage, wer den Überlebenskampf am Donnerstag für sich entscheidet. Ein Sieg der Füchse bringt eine Quote von , ein Erfolg der abstiegsbedrohten Gummersbacher bereits . Mein Tipp: Gummersbach gewinnt überraschend das Spiel, dabei fallen insgesamt mehr als 53,5 Tore (2).  
Quoten unterliegen Änderungen.

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