Handball-Krimi gegen Kroatien bringt Gastgeber vorzeitig ins Halbfinale. Abschließendes Hauptrundenspiel gegen Spanien ohne Wert. Handball-Fans feiern Fabian Wiede.   Beim Handball, diesem manchmal irrwitzig schnellen Spiel, gibt es eigentlich nie die Möglichkeit, mal innezuhalten, durchzuatmen, auszuruhen. Ständige Tempogegenstöße, Zwei-Meter-Athleten, die sich in einer Turnhalle ineinander werfen, hin und her und Timeouts, die nicht mal die Gelegenheit bieten, den Puls runterzufahren. Nie wurde diese Reizüberflutung deutlicher als beim knappen Sieg der Deutschen gegen Kroatien.  

Reservisten-Auflauf gegen Spanien

Der 22:21-Erfolg verschafft den deutschen Spielern – und ihren Anhängern – nun endlich diese wertvolle Verschnaufpause: der Co-Gastgeber steht bereits als Halbfinal-Teilnehmer fest, die abschließende Partie gegen Spanien (Mittwoch, 20:30 Uhr) ist quasi ohne Wert, da die Spanier keine Chance mehr haben, um die Medaillenplätze mitzuspielen. Aber was heißt schon „ohne Wert“ bei einer im eigenen Land ausgetragenen Weltmeisterschaft? Jedes Spiel der Deutschen war bislang Spektakel und auch gegen Spanien erwarten die nun erfolgsverwöhnten Fans das nächste Großereignis. Auch wenn sich Nationaltrainer Christian Prokop dafür hüten wird, seine Mannschaft vor den wirklich wichtigen Spielen zu verheizen. Vielmehr bietet sich ihm die Chance, all jenen Spielern mehr Einsatzzeiten zu verschaffen, die bislang eher vorrangig auf der Ersatzbank Platz nehmen mussten. Wie zum Beispiel der auch gegen Kroatien eher glücklose Silvio Heinevetter, der bei diesem Turnier noch mehr im Schatten der Nummer Eins Andreas Wolff steht und gegen die Kroaten nach zwei nicht gehaltenen Würfen schon wieder vom Feld genommen wurde. Oder der baumlange Finn Lemke (2,10 Meter), den man eigentlich im Block erwartet hatte, der aber 2019 nur die Rolle des Beobachters einnimmt. Kroatien vs. Deutschland Wie wichtig eine gut besetzte – und bei Laune gehaltene – Bank für den Turniererfolg ist, zeigte sich ebenfalls im Krimi gegen die Kroaten: die schwere Verletzung von Spielmacher Martin Strobel (Innenband und Kreuzband gerissen) schien zunächst eine große Lücke im deutschen Spiel zu reißen, wurde dann aber von seinen Teamkollegen gestopft, allen voran von Fabian Wiede, dem einer der besten Auftritte seine Karriere gelang und nach dem Schlusspfiff völlig zu Recht zum „Man of the Match“ gekürt wurde.  

Pause für die Malocher aus der Defensive

Wobei sich auch wieder gegen Kroatien die alte Teamsport-Weisheit bewahrheitete: Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel. „Hinten entscheiden wir das Spiel heute“, hatte Trainer Prokop (der mit jedem Auftritt bei dieser WM mehr an Profil gewinnt und endlich aus dem Schatten seines berühmten Vorgängers Heiner Brandt tritt) in einer der Auszeiten seinen Spielern zugerufen und die setzten das entsprechend um. Gut möglich, dass sich die Malocher aus der Abwehr gegen die Spanier eine Ruhepause gönnen, um für die Halbfinal-Partien wieder voll im Saft zu stehen. Kroatien - Deutschland Handball WM Zwar kann sich noch immer entscheiden, ob Deutschland als Gruppenerster den vermeintlichen Vorteil im Semifinale genießen darf, oder eben nicht, aber die möglichen Gegner dort – Dänemark, Schweden oder Norwegen – haben sich bei diesem Turnier als quasi ebenbürtig erwiesen. Die Spanier wiederum dürften gut und gerne auf dieses letzte Spiel gegen Deutschland verzichten wollen, zwar schlugen sie die Brasilianer klar mit 36:24, aber daran wird sich spätestens nach dem Ende dieses Turniers niemand mehr erinnern. Wohl aber an den für seine Verhältnisse ekstatischen Christian Prokop, der nach dem Kroatien-Spiel in die Mikrofone jubelte: „Scheißegal, Halbfinale!“ (und damit Bezug nahm auf die Kritik an seinen glücklosen Außen). Gegen Spanien darf der Coach nun Variationen üben, seine Spieler auf Betriebstemperatur halten und trotzdem zur Abwechslung mal den Puls in gesunden Bereichen halten. Das ist beim Handball ja tatsächlich ein großer Luxus. Mein Tipp: Am Ende trennen sich Deutschland und Spanien mit einem Unentschieden , dabei fallen mehr als 53,5 Tore .  
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